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Galveston

St Patrick's, Galveston
St Patrick’s Church, Galveston, Texas, 1902. (Quelle.)

Ike war nicht der erste Hurrikan, der Galveston und Texas heimsuchte: Die schlimmste Katastrophe war der Hurrikan vom September 1900, als die Stadt schon einmal völlig verwüstet wurde und zwischen mindestens 6.000 Menschen den Tod fanden. Manche Schätzungen sprechen auch von 8.000 bis 12.000 Toten, sicher ist soviel: Keine Naturkatastrophe in den USA hat jemals mehr Opfer gefordert (Katrina kostete etwa 1.800 Menschen das Leben).

Anlässlich der Verwüstungen, die Ike anrichtete, ist in einigen Medien auch wieder an die Ereignisse von 1900 erinnert worden. Ein Aspekt ist dabei allerdings kaum zur Sprache gekommen: Dass nämlich damals eine der aufwändigsten und ausgefallensten Schutzmaßnahmen eingeleitet wurde, um zukünftige Katastrophen zu verhindern. Dazu gehörte nicht nur der Bau einer riesigen Schutzmauer, sondern auch die Anhebung der gesamten Stadt – inklusive fast aller Gebäude – um rund fünf Meter. —–>

Vom Erwachen der Vorstädte

Das Profil der amerikanischen Vorstädte ändert sich, schreibt der Economist. Die ethnische und soziale Vielfalt, die früher charakteristisch für die Städte war, wandert inzwischen in die Außenbezirke.

According to William Frey, a demographer, the white population of big-city suburbs grew by 7% between 2000 and 2006. In the same period the suburban Asian population grew by 16%, the black population by 24% and the Hispanic population by an astonishing 60%. Many immigrants to America now move directly to the suburbs without passing through established urban ghettos.

Umgekehrt hat die Gentrifizierung der Innenstädte dazu geführt, dass das multikulturelle Flair allmählich verschwindet:

Los Angeles, which markets itself as the city “where the world comes together”, and New York (“the world’s second home”) both added whites and lost blacks between 2000 and 2006. So many blacks moved out of Los Angeles that, were the exodus to continue unabated, they would disappear from the city around 2050.

Das ist eine interessante Beobachtung. Haben die Metropolen ihre Rolle als “melting pots” etwa eingebüßt, gerade zu dem Zeitpunkt, wo sie als Lebensräume der kreativen Klassen ein neues urbanes Profil bekommen sollen? Tobt das Leben jetzt in den Vorstädten? Oder sind die demographischen Veränderungen dort nur eine logische Konsequenz der allgemeinen Tendenz zur Verstädterung?

Der Economist-Artikel setzt sicher nur ein kleines Schlaglicht, das zudem ausschließlich der amerikanischen Situation gilt. Man könnte auch einwenden, dass die genannten Suburbs nicht unbedingt typisch sind, weil sie ihre dynamische Entwicklung ganz speziellen Umständen verdanken – vor allem der Nähe zu einer bedeutenden Metropole. Städtische Phänomene mögen zwar aus den Zentren in die äußeren Bezirke wandern, aber sie sind nicht wirklich von bestimmten infrastrukturellen Gegebenheiten entkoppelt.

Dennoch ist der Trend, dass sich Vororte von reinen Schlafdörfern zu Orten mit eigenem Profil und eigener Dynamik entwickeln, bemerkenswert genug. Der Economist-Artikel liefert zwar nur ein Schlaglicht, und das auch nur für die amerikanische Situation, aber einige der angesprochenen Effekte lassen sich sicher auch in Europa beobachten (etwa, um nur ein beliebiges Beispiel zu nennen, das steigende Interesse am Bau eines Eigenheims bei den Nachkommen der ersten Gastarbeiter-Generation). Jedenfalls könnten da ein paar interessante Ideen entstehen, wie sich das Verhältnis zwischen Stadt und Umland in Zukunft entwickeln könnte.