gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Tag: Judentum

Eine Reise in Polen

So beginnt eine Reise:

Im langen Eisenbahnwagen schaukle ich über die Schienen. Der Zug ist wie ein Pfeil von Berlin losgelassen. Der Schienenstrang ist unendlich. Nun schieße ich, schaukle mit Holz- und Eisenwerk, in einer gurgelnden Röhre, in die Nacht hinein.

Aber dann:

Ich – bin nicht da. Ich – bin nicht im Zug. Wir prasseln über Brücken. Ich – bin nicht mitgeflogen. Noch nicht. Ich stehe noch am Schlesischen Bahnhof.

Da verreist einer, der, so scheint es, gar nicht wirklich unterwegs sein möchte. “Ich bin gefangen. Der Zug trägt mich fort”, schreibt er, und seine Gedanken kommen kaum hinterher: “Ich denke an meine Absichten. Aber es sind jetzt nicht meine Absichten, ich erkenne sie nicht.” —–>

Someone had to do it. So the 43 group did.

Das britische Pendant zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist der Holocaust Memorial Day, und der Guardian würdigt diesen Tag mit einem Artikel über die 43 Group, eine Stadtguerilla britischer Juden (Kriegsveteranen zumeist), die sich handfest gegen die faschistische Bewegung des Oswald Mosley wehrte. Der versuchte in den Nachkriegsjahren ein politisches Comeback als Führer einer neofaschistischen Bewegung, hatte aber unter anderem die dämliche Idee, große Treffen im jüdischen Viertel Londons abzuhalten. Dort wußte man sich zu wehren, aber das kann man ja im Guardian nachlesen, außerdem gibt es dort ein kurzes Video mit Interviews.

Das prominenteste Mitglied dieser Gruppierung erwähnt der Artikel übrigens seltsamerweise nicht: Vidal Sassoon. Genau, der Shampoo- und Haarspülungskönig. Was der mit der 43 Group zu tun hatte, das kann man in einem Hörfunkbeitrag hören, der vor ein paar Jahren mal auf BBC Radio 4 lief und von dem Auszüge noch auf YouTube verfügbar sind. Bei YouTube gibt es außerdem hier, hier und hier die Dokumentation The Unfinished War einer London Video History Group, die sich ebenfalls mit der 43 Group befasst.