gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Tag: gelsenkirchen

Am Almaring

Almaring Gelsenkirchen

Es gab eine Zeit, da hätte es hier nach Benzin und Abgasen gerochen, und die Luft wäre voll aufgewirbeltem Staub und von Motorenlärm gewesen. In den Siebziger Jahren war das, als es hier das Motodrom Gelsenkirchen gab, das von den Einheimischen auch “Almaring” genannt wurde. Heute ist nicht mehr viel übrig von dieser Rennstrecke mitten im Ruhrgebiet: Die Asphaltdecke gibt es zwar noch, auch ein paar Streckenbegrenzungen und diverses Bric-à-Brac sind erhalten geblieben, aber das Areal ist inzwischen von einem dichten Wäldchen überwachsen. Ein Rad- und Fußweg führt unmittelbar daran vorbei, aber kein Hinweisschild erzählt davon, was sich da im Gebüsch verbirgt. —–>

Auf dem verbotenen Berg

Halde Oberscholven

Die Halde Oberscholven ist einer der markantesten Punkte der Ruhrgebiets, und zugleich einer der unzugänglichsten. Mit knapp 202 Metern Höhe ist sie die höchste künstliche Erhebung im Revier, und dank ihrer freistehenden Lage, bekrönt von zwei großen Windrädern und einem Fernmeldemast, eine weithin sichtbare Landmarke. Sie markiert mehr oder weniger genau die Grenze zwischen der industriellen, dicht besiedelten Kernzone des Reviers und dem weit weniger verstädterten, immer noch landwirtschaftlich geprägten Umland. Diese Lage macht den Gipfel der Halde auch zu einem ganz besonderen Aussichtspunkt, wo man den Kontrast zwischen urbanem Ballungsraum und ländlicher Umgebung ganz anschaulich vorgeführt bekommt. —–>

Long Island

Emscherinsel

Die Emscherinsel ist eine Insel, die man als solche kaum wahrnimmt. Eigentlich handelt es sich nur um einen schmalen Streifen Land zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher. Beide Gewässer kreuzen sich bei Castrop-Rauxel und fließen von dort aus nahezu parallel Richtung Rhein, bis sich ihre Wege in Oberhausen, nahe der Neuen Mitte, trennen. Dazwischen liegt ein 34 Kilometer langes, an manchen Stellen aber nur wenige Meter breites Gebiet.

Diese künstliche Insel ist eine beiläufig entstandene Landschaft, eingezwängt zwischen einem industriell genutzten Verkehrsweg und einem zum Abwasserkanal degradierten Flüsschen. Lange war sie nur eine Art Niemandsland, oder besser: eine Aneinanderreihung von Niemandsländern in den Randgebieten der umliegenden Städte. Zwischenräume im wörtlichen Sinn. Wenn dieses Gebilde nun zur Insel erhoben, also eine räumliche Geschlossenheit vorgegeben wird, soll das modellhaft auch fürs Ruhrgebiet insgesamt stehen: Was durch strukturelle Notwendigkeiten entstand, wird nun gleichsam naturalisiert und als grüne Klammer über kommunale Grenzen hinweg angelegt. Das Bild von der Insel suggeriert außerdem ein wenig postindustrielle Idylle, ähnlich wie die Bergehalden nun als künstliches Mittelgebirge reklamiert werden. —–>