gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Tag: Film

Über die Art der Italiener, zu diskutieren

Avola, Piazza Umberto I

Einerseits oberflächlich.

Aber auf der anderen Seite mit einem sicheren Instinkt dafür, daß »aufhören« bei allen guten Dingen ein »abbrechen« sein muß. So wie man willkürlich (schließlich) beim Malen eines Bildes, beim Dichten einer Dichtung ein Ende setzt, so tun sie es[,] aus einer tiefen Erfahrung vom Wesen des künstlerischen Verhaltens heraus, beim Diskutieren. Und in der Tat ist merkwürdig, wie die »Lehre« eines unterbrochenen, abgebrochenen Gesprächs einem nachläuft wie ein Hündchen, das einen verlor. Während man gerade da zuletzt mit leeren Handen steht, wo man bis ans Ende gegangen ist. – Man denkt bei diesem [A]bbrechen auch an die Bauweise der Süditaliener: Neubauten halbvollendet lange stehen zu lassen. Auch an die pragmatische Gesinnung: Diskutieren doch zuletzt als eine zu nichts verpflichtende rhetorische Schule zu nehmen. Der Italiener begibt sich in die Praxis wie in seine wahre Römerheimat zurück, der Deutsche in die Diskussion wie in seine warme gotische Stube hinein. – Russische Diskussion ist durch den enormen Anteil des Kollektivs an ihr sehr verändert worden. Der Deutsche geht jusqu'au bout – der Italiener bricht ab, der Franzose endet in einer Vignette und Arabeske.

Walter Benjamin -

Kinshasa Symphony

Kinshasa Symphony

Am Wochenende waren die Bratschistin an meiner Seite und ich auf der Kölner Kinopremiere von Kinshasa Symphony, einem Dokumentarfilm über ein Sinfonieorchester aus der kongolesischen Hauptstadt. Der Film lief hier im Rahmen des Festivals Jenseits von Europa, das sich in diesem Jahr dem afrikanischen Kino widmet – eine vielleicht etwas kuriose Verbindung, denn als deutsche Produktion steht Kinshasa Symphony ja eher für einen europäischen Blick auf Afrika und nicht unbedingt für eine Perspektive, die jenseits unseres Tellerrands zu Hause wäre. Auch der Inhalt des Films klingt auf den ersten Blick nach einem klassischen europäischen oder wenigstens westlichen Leitmotiv, wie man es aus unzähligen Sport- und Musikdokumentationen kennt: Kunst und Kultur als romantisches Refugium, in dem sich auch Underdogs durchsetzen können, wenn sie nur leidenschaftlich, engagiert oder authentisch genug zu Werke gehen. —–>