gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Tag: Duisburg

Duisburg

Duisburg, Karl-Lehr-Straße

Vor wem, vor welchem Gedächtnis und vor welcher Zukunft, vor welcher und für welche Generation ist man verantwortlich, wenn man die Verantwortung für eine Stadt übernimmt?

Meine Hypothese ist, dass die Antwort auf diese Frage uns zwingt, den Begriff der Verantwortung neu zu fassen. Jedes Projekt, das das Schicksal einer Stadt betrifft, d.h. das, was ihr Gedächtnis an ihre Gegenwart und Zukunft bindet, übersteigt aus Wesensgründen sowohl die Möglichkeit der Vollendung als auch die Dimension einer einzigen Generation, Nationalität oder Sprache. Die Zeit impliziert ein Versprechen, das hier für mehr als bloss eine Generation und mithin für mehr als eine Politik binden ist, ja das über die Politik als solche hinausgeht, in einer Dauer, deren Heterogenität und Diskontinuität, deren Nicht-Totalisierbarkeit als das Gesetz anerkannt werden müssen.

Jacques Derrida, Generationen einer Stadt

Ich hatte in Duisburg zu tun, und der Weg führte natürlich auch zur Karl-Lehr-Straße, dem Ort des Loveparade-Desasters. Seit dem Unglück ist die Straße zu einer Art negativer Pilgerstätte geworden, und auch gestern, an einem Montagabend, waren einige Dutzend Menschen unterwegs, um die zahlreichen Kerzen, Blumen, Zettel, Kreuze und sonstigen Paraphernalia zu betrachten, miteinander zu diskutieren oder wenigstens ein paar Schnappschüsse mit dem Handy zu machen. —–>

Ruhrhalden-Tour II

Auf Halde Norddeutschland

Das Pfingstwetter war ein guter Anlass, die Tour über ausgewählte Ruhrhalden fortzusetzen. Diesmal ging die Fahrt in den westlichen, linksrheinischen Teil des Ruhrgebiets. Eine Region also, von der gerne vergessen wird, dass sie auch noch dazu gehört: Wenn man vom Revier spricht, meint man meistens Duisburg, Essen oder Dortmund, aber selten Kamp-Lintfort, Moers oder Neukirchen-Vluyn. Für viele meiner rheinischen Bekannten ist das hier schon der Niederrhein. Auch in der Region ist man mit der Zugehörigkeit zum Ruhrgebiet nicht durchweg glücklich: Im zuständigen Kreis Wesel gibt es seit Jahren einige Stimmen, die einen Ausstieg aus dem Regionalverband Ruhr befürworten. Der Versuch, das Anliegen politisch umzusetzen, scheiterte vor knapp zwei Jahren allerdings recht spektakulär, und ist damit erst mal für einige Zeit vom Tisch.

—–>

Ans Wasser gebaut

H2 Office
Noch eine architektonische Spezialität aus Duisburg: Dies ist das H2 Office, ein von BRT entworfener Bürokomplex am Innenhafen. Ein Gebäude mit “‘Flagship’ Charakter”, heißt es, in einem Areal, das selbst Flaggschiff und Aushängeschild für zukunftsweisende Stadterneuerung sein soll.

H2-Office

Den Schiff-Charakter hat man bei diesem Gebäude jedenfalls sehr wörtlich genommen. Die Form des Gebäudes soll an die “Eleganz eines Katamarans” erinnern. An einem trüben Januartag wie heute muss man allerdings eher eine gewisse Ähnlichkeit mit der Klobigkeit britischer Weltkrieg-I-Panzer, die sich mit grimmiger Entschlossenheit durch den Schneematsch der Normandie wühlen, konstatieren.

(Was so aussieht wie die Ketten der Tanks, ist allerdings nicht die Schauseite des Gebäudes. Aber auch die Front zur Wasserfläche hin ist merkwürdig nach innen gebogen, als sollte der Panzer/Katamaran den Hafen so schnell wie möglich verlassen.)

H2-Office

Überhaupt macht der gesamte Innenhafen an so einem Tag eher den Eindruck eines verlassenen architektonischen Themenparks. Ein beliebiges, nicht wirklich kontextualisiertes Nebeneinanderstellen von Schauobjekten. Schlechtes Wetter ist überall eklig, aber hier wirkt es besonders deprimierend, gerade weil die glamouröse Strahlkraft der Stararchitekturen so unabdingbar einkalkuliert ist. Im gedämpften Licht wirken die pompösen Statements so alltäglich wie ungeschminkte Schauspieler.

Innenhafen Duisburg

St. Joseph, Hamborn

St. Joseph, Hamborn

Der Schnee ist zurück. Und mitten im winterlichen Grau von Duisburg-Hamborn diese etwas seltsame, aber auch sehr großartige Kirche. Eine wahre Ski-Schanze Gottes. Über die ich allerdings nicht mehr herausfinden kann, als dass sie St. Joseph heißt und zu dieser Kirchengemeinde gehört. Falls jemand mehr weiß und vor allem den Namen des Architekten kennt, wäre ich für einen kurzen Hinweis dankbar.

Nachtrag
Per E-Mail kommt folgende Information:

Der Entwurf der Kirche wurde von Prof. Robert Kramreiter aus Wien erstellt. Als dieser 1965 plötzlich starb, übernahm Architekt Otto Rauh aus Düsseldorf die Ausführung des Baus. Der Grundstein wurde 1966 gelegt, fertig wurde die Kirche 1968, und die Weihe erfolgte 1970. Die Fenster stammen von Prof. Margret Bilger.

Zu Kramreiter gibt es einen Artikel in der Wikipedia, mit einigen Fotos weiterer interessanter Kirchenbauten. Kramreiter war vor allem in Österreich aktiv, und der freundliche Korrespondent schickt mir den Hinweis auf diese Kirche in Salzburg, die tatsächlich einige interessante Ähnlichkeiten mit der Hamborner Jospheskirche aufweist. Bilgers Fenster konnte ich nicht sehen, weil die Kirche verschlossen war, aber auch sie ist in der Wikipedia vertreten, außerdem gibt es eine Website zu ihrem Werk.