gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Tag: Danzig

Falowiec

Falowiec

Außer der Ulica Ojcowska gibt es in Danzig noch einige andere, wesentlich prominentere Gebäude, die ebenfalls wellenförmigen Grundriss aufweisen: Die sogenannten Falowiec, acht große Wohnblocks aus den späten Sechzigern/frühen Siebzigern, von denen sich sieben im Stadtteil Przymorze befinden und einer in Nowy Port. Der größte dieser Blocks steht an der Ulica Obrońców Wybrzeża, der “Straße der Verteidiger der Küste”: Er ist um die 850 Meter lang und damit das längste Wohngebäude in Polen und das drittlängste in Europa, nach dem Wiener Karl-Marx-Hof (1,1 km) und dem Corviale in Rom (980 Meter). —–>

Biskupia Górka

Biskupia Górka

Biskupia Górka liegt nur ein paar Schritte von der Danziger Innenstadt entfernt. Touristen kommen hier aber nur selten hin. Warum auch? Das Viertel hat nichts von der Musealität der wiederhergestellten Innenstadt. Die Hausfassaden sind heruntergekommen, holzkohlengeschwärzt und offenbar seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr verputzt worden. Wie sonst könnte man an einigen Fassaden noch deutsche Inschriften erkennen: Hier gab es mal eine “Milch-Verkaufsstelle”, eine Hausnummer weiter wurde Seife verkauft oder hergestellt, und in einem anderen Haus war mal eine Bäckerei.

So ein Viertel besucht man natürlich nur, wenn man mal sehen will, wie die Normalen Menschen so leben. Wobei wir als reflektierte Touristen natürlich auch Common People
gehört haben und wissen, dass es die Normalen Menschen nicht unbedingt mögen, wenn ihr Normales Leben als Exponat begafft wird. —–>

Anmerkungen zu Danzig

Danzig, Altstadt

… ich genoß diese Nachmittage in der farbigen, immer etwas musealen, ständig mit diesen oder jenen Kirchenglocken lärmenden Altstadt.

Grass, Die Blechtrommel

Altstadt und “Altstadt” ist nicht ganz das gleiche in Danzig, sagt uns der Reiseführer. Da gibt es den Stadtteil, der so heißt (bzw. auf polnisch “Stare Miasto”), aber wesentlich später zur “Stadt” erhoben wurde als die benachbarte “Rechtstadt”. Die wiederum ist der Teil, den die meisten Touristen als Danzigs Altstadt bestaunen, während der offizielle Name heute einfach “Główne Miasto” lautet, also etwa “Stadtzentrum”.

In dieser kleinen Namensparadoxie kann man noch die Spur der besonderen Geschichte erkennen, die Koexistenz zweier Kommunen auf dem Raum einer Stadt, den Nachschein eines manchmal dynamischen, manchmal prekären Neben- und Miteinanders der ethnischen, religiösen und sozialen Gemeinschaften, die hier lebten. Es gibt in der Urbanistik eine aktuell wieder auflebende Diskussion darüber, was eine Stadt zur Stadt macht: Administrative Grenzen? Wirtschaftsstrukturen? Geographische Gegebenheiten? Das Selbstgefühl der Einwohner? Danzig ist fast so etwas wie der exemplarische Fall einer Stadt, in der das Stadt-sein selbst immer wieder in Frage gestellt und neu definiert wurde. —–>