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Das Deutsche Reich in Bochum

Deutsches Reich, Bochum

Es gibt viele merkwürdige Straßennamen, aber dieser hier ist sicher besonders seltsam: Deutsches Reich. Die Straße mit dem großspurigen Namen liegt im Bochumer Stadtteil Werne. Viel her macht sie nicht: Es ist eine unscheinbare Wohnstraße, deren Beschaulichkeit allerdings durch das Rauschen des nahen Ruhrschnellwegs arg gestört wird.

Deutsches Reich, Bochum

Genau genommen handelt es sich weniger um einen Straßen- als um einen Siedlungsnamen. Die „Kolonie Deutsches Reich“ entstand um 1871/72 als Wohnsiedlung für Bergarbeiter und Angestellte der Harpener Bergbau AG, einer der maßgeblichen Bergbaugesellschaften des Ruhrgebiets. Warum man der beschaulichen Siedlung ausgerechnet so einen hochtrabenden Namen gab, ist nicht überliefert, aber die Reichsgründung lag bei Baubeginn noch nicht lange zurück, nationale Namensgebungen waren mithin en vogue, auch wenn man in den meisten Fällen eher auf einzelne Regionen, historische Ereignisse oder auf prominente Gestalten zurückgriff als auf das Reich insgesamt. Möglicherweise war der Name auch als patriotischer Fingerzeig für die hier angesiedelten Arbeiter gedacht, von denen sicher einige aus den Ostgebieten des Reichs stammten und eher polnisch als deutsch sprachen. Weiterlesen

Ruhrhalden-Tour III

Halde Hoheward

Die dritte (und vorerst letzte) Runde über die Halden der Ruhr fand parallel zu einer der „Flagschiff“- oder „Leuchturm“-Veranstaltungen des Kulturhauptstadtjahrs statt. Im Rahmen der Aktion SchachtZeichen stiegen eine Woche lang über ehemaligen Zechenstandorten kleine gelbe Heißluftballons auf. „Bis zu 350 Ballons“ sollten es nach Auskunft der Veranstalter sein, die „bis zu 80 Meter hoch über den ehemaligen Schächten“ im Wind schwebten und wie Stecknadelköpfe auf einer Landkarte „die Orte, an denen alles begann“, sichtbar machen sollten.

Eine Aktion mit großem logistischen Aufwand, die an vielen Orten zu einem fröhlichen Ehemaligen-Treffen geriet und mit Würstchenbuden und Biertischen zu kleinen Volksfesten umfunktioniert wurde, anderswo nutzten neuangesiedelte Firmen die Gelegenheit zu PR-Präsentationen. Die öffentliche Resonanz war ausgesprochen positiv. Und auch wenn das besondere Verhältnis der Ruhrpöttler zu ihrer Vergangenheit schon zum Klischee geworden ist, muss man doch immer wieder verblüfft registrieren, dass das Klischee wirklich Substanz hat: Ich kenne wenige Regionen, wo Neugier und Bereitschaft, sich mit der eigenen Vergangenheit und ihren Spuren auseinanderzusetzen, so umfassend und breitflächig gegeben sind wie hier an der Ruhr. Da spielt sicher viel verklärte Nostalgie eine Rolle, aber auch das Wissen, dass der beschworene Strukturwandel nicht so reibungs- und bruchlos vonstatten geht, wie die Politik das gerne möchte. Weiterlesen