gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Tag: Architektur

Das Archigram-Archiv

Archigram-Archiv

Website des Tages: Das Archigram Archival Project. Ein fabelhafter Fundus von Materialien zu dieser Architektengruppe, der “fast 10.000 Dokumente” enthält, wie die “About”-Rubrik stolz behauptet, darunter Ausgaben des namensgebenden Magazins, Fotos, Grafiken, Entwürfe und mehr. Nicht nur die Menge des Materials ist beeindruckend, auch die Aufbereitung finde ich sehr gelungen und vorbildlich: Das ist ein Archiv, dass sich ebenso gut als Arbeitsgrundlage wie für’s neugierige Flanieren nutzen lässt. —–>

St. Joseph, Hamborn

St. Joseph, Hamborn

Der Schnee ist zurück. Und mitten im winterlichen Grau von Duisburg-Hamborn diese etwas seltsame, aber auch sehr großartige Kirche. Eine wahre Ski-Schanze Gottes. Über die ich allerdings nicht mehr herausfinden kann, als dass sie St. Joseph heißt und zu dieser Kirchengemeinde gehört. Falls jemand mehr weiß und vor allem den Namen des Architekten kennt, wäre ich für einen kurzen Hinweis dankbar.

Nachtrag
Per E-Mail kommt folgende Information:

Der Entwurf der Kirche wurde von Prof. Robert Kramreiter aus Wien erstellt. Als dieser 1965 plötzlich starb, übernahm Architekt Otto Rauh aus Düsseldorf die Ausführung des Baus. Der Grundstein wurde 1966 gelegt, fertig wurde die Kirche 1968, und die Weihe erfolgte 1970. Die Fenster stammen von Prof. Margret Bilger.

Zu Kramreiter gibt es einen Artikel in der Wikipedia, mit einigen Fotos weiterer interessanter Kirchenbauten. Kramreiter war vor allem in Österreich aktiv, und der freundliche Korrespondent schickt mir den Hinweis auf diese Kirche in Salzburg, die tatsächlich einige interessante Ähnlichkeiten mit der Hamborner Jospheskirche aufweist. Bilgers Fenster konnte ich nicht sehen, weil die Kirche verschlossen war, aber auch sie ist in der Wikipedia vertreten, außerdem gibt es eine Website zu ihrem Werk.

Bartnings Stahlkirche

Melanchthonkirche

Vor der Melanchthonkirche in Essen, einem unscheinbaren Betonbau aus den Siebziger Jahren, stehen diese zwei Glocken. Auf den ersten Blick könnte man sie einfach für dekorative Elemente halten, ähnlich wie die gusseisernen Übertöpfe, die manche Leute gerne in ihre Vorgärten platzieren. Aber eine Gedenktafel erklärt, warum die Glocken hier stehen. An dieser Stelle befand sich in den Dreißiger Jahren ein Vorgängerbau, eines der bemerkenswertesten und seltsamsten Beispiele moderner Kirchenarchitektur: Die Stahlkirche von Otto Bartning. —–>

Das BLDGBLOG-Buch

BLDGBLOG Book

Zur Zeit ein unverzichtbares Accessoire auf meinem Couch-Tisch, und neben dem BibliOdyssey-Buch vielleicht das schönste Buch, das bisher aus einem Blog hervorgegangen ist: Das BLDGBLOG-Buch, Kompendium und Best-Of (inklusive Remixes und rarer Tracks) eines meiner Lieblings-Blogs. Gestern war allem Anschein nach der offizielle Launch, offenbar mit ein bisschen Verspätung, denn ich hab es schon vor etwa drei Wochen bekommen. (Druckfrisch geliefert vom Book Depository, das sich mittlerweile für englische Bücher zu meinem unverzichtbaren Hauslieferanten entwickelt hat, schneller und oft günstiger als Amazon. —–>

Unter Wasser

Firenze è sommersa

Unzeitgemäß ist auch diese Betrachtung, weil ich etwas, worauf die Zeit mit Recht stolz ist, ihre historische Bildung, hier einmal als Schaden, Gebreste und Mangel der Zeit zu verstehen versuche, weil ich sogar glaube, daß wir alle an einem verzehrenden historischen Fieber leiden und mindestens erkennen sollten, daß wir daran leiden.

Nietzsche

Sie sollten jährlich ins Museum gehen, aber nicht jeden Tag.

Marinetti

Während ein großer Teil des Kölner Archivs noch im Grund- und Regenwasser verrottet, begegnet mir dies: Ein Bild des abgesoffenen Doms von Florenz, Plakat für eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Titel Firenze è sommersa, Florenz ist untergegangen.

Kölner Dom

Der Dom von Florenz unter Wasser – das erinnert mich an ein ähnliches Motiv, mit dem vor Jahren der Spiegel eine der ersten Reportagen zum Klimawandel illustrierte: Fürs Titelbild wurde der Kölner Dom unter Wasser gesetzt. (Ausgerechnet die KVB hat dieses Motiv vor einiger Zeit für eine Werbekampagne von ausgesuchter Dämlichkeit recycelt.) —–>

Klotz

Hochpfortenhaus

Ich komme selten in die Hohe Pforte. Die Straße liegt etwas im toten Winkel der Innenstadt, und sie durchquert ein Viertel, das wie eine Insel zwischen den wichtigsten Durchgangsstrassen des Stadtverkehrs liegt: Im Norden wird es durch die Cäcilienstraße von der Innenstadt abgeriegelt, im Westen bildet die Nord-Süd-Fahrt eine deutliche Barriere, und im Süden und Osten ziehen Blaubach und Mühlenbach die mehrspurige Grenze zur Südstadt. Ein paar Porno-Shops und Billigläden warten auf Kunden, aber die meisten Passanten nutzen die Hohe Pforte allenfalls als Durchgang, um von der Innenstadt ins Severinsviertel zu kommen oder umgekehrt. —–>

Aggregierte Architektur

Ein architektonischer Digest im PDF-Format: Prss Release sammelt wöchentlich zehn Artikel aus Blogs zu Architektur, Urbanismus und verwandten Themen, und setzt sie in ein etwas unbehauenes, dafür gut lesbares und vor allem druckerfreundliches Layout.

We do this independently, not for profit, for fun, for all our friends who are not the nerds that we are and to bring the writing efforts of bloggers to a larger audience.

heißt es im Editorial Statement, dass ansonsten ähnlich spartanisch gehalten ist wie die gesamte Site und das Layout der bislang drei Digests (von denen einer auch nur eine Linkübersicht ist).

Über die formale Schlichtheit kann man sicher streiten, aber die Zusammenstellung der Texte ist geschmacks- und inhaltssicher, und an einem gut gemachten Digest gibt es eh nichts zu nörgeln. Interessant an Experimenten wie Prss Release ist auch, dass es bei der Idee des Remixens und Remodelns weniger um die Inszenierung von “Fortschritt” geht: Sondern um die Frage, wie man Medienbrüche so überwinden kann, dass alle erreicht werden können, die eine Sache angeht.