Candida Höfer

Sehenswert: Die Candida-Höfer-Werkschau im Museum Morsbroich. Projects: Done ist der lakonische Titel – ein auf den ersten Blick etwas widersprüchliches Motto, denn ein Projekt ist ja eigentlich etwas, das dem Namen nach unabgeschlossen und offen bleibt, während das Wörtchen „done“ zu signalisieren scheint, hier sei etwas abgehakt und erledigt worden.

Das Offene und Unabgeschlossene an den Projekten Höfers ergibt sich aus der Sache selbst: Die meisten Bilder beschäftigen sich mit Ausstellungssituationen, mit Museen, Zoos, Aufführungsstätten, auf Repräsentation angelegten politischen Gebäuden. Dadurch ergibt sich ein interessanter Verdopplungseffekt: Wir sehen, wie anderswo Dinge inszeniert und gezeigt werden, und plötzlich wird das Zeigen selbst und der Ausstellungsraum, in dem es stattfindet, ebenfalls zum Thema.

Dass das in Morsbroich zum Tragen kommt, ist sicher auch das Verdienst der Ausstellungsarchitekten Kuehn Malvezzi, die explizit als Kollaborateure genannt werden und ein sehr unaufdringliches, aber stichhaltiges Konzept eingebracht haben.

Dieses zurückhaltende Konzept entspricht der Art und Weise, wie Höfer ihre Fotografien anlegt: Von einem subjektiven Blickwinkel ist zunächst nicht viel zu sehen, die Bilder wirken nüchtern und sauber abfotografiert wie für einen Katalog. Für eine aktuelle Serie hat Höfer Räume aufgenommen, in denen private Sammler Bilder von On Kawara aufgehängt haben. Man könnte sich diese Bilder mit dem gleichen neugierigen, voyeuristischen Interesse anschauen, mit denen man in Magazinen wie Wallpaper die Wohnungen anderer Leute durchblättert. Aber gerade die Monotonie und Gleichförmigkeit von Kawaras Datumsbildern lässt das Individuelle der Räume, in denen sie sich befinden, um so deutlicher sichtbar werden. Es geht in den Bildern Höfers weniger darum, wie etwa bei den Bechers, das fotografierte Objekt an sich hervortreten zu lassen, sondern – bei aller Genauigkeit und Präzision der Inszenierung – die Spuren der Menschen festzuhalten, die in den jeweiligen Räumen zu tun und zu leben haben. Gerade die Abwesenheit macht neugierig: Warum hängt hier das Kawara-Bild mittig und dort mitten unter anderen? Sind die Bücher hier mit Absicht liegen gelassen, die Akten dort nicht rechtzeitig weggeräumt worden? Wurde nicht überall noch mal schnell feucht durchgewischt und staubgesaugt, bevor die berühmte Fotografin mit ankam?

Die älteren Bilder Höfers, die in Morsbroich gezeigt werden, scheinen auf den ersten Blick von der aktuellen Arbeitsweise weit entfernt zu sein. Das ist zum Beispiel die Serie Türken in Deutschland aus den Siebzigern, eine fast klassische fotojournalistische Arbeit. Hier ist es gerade der Mangel an Perfektion, der die Bilder so sympathisch macht: Die sichtbare Unbeholfenheit der fotografierten Personen, die Unsicherheit der Fotografin, die noch mit Stilen, Perspektiven und Inszenierungen experimentiert. Aber schon in diesen Bildern scheint der Blick gelegentlich abzuschweifen von den vermeintlichen Hauptfiguren zu verräterischen Nebensächlichkeiten und Spuren im Hintergrund, zu Bildern, Dekorationen, Gegenständen, die plötzlich eine Distanz und dann auch wieder Neugier entstehen lassen.

In der Dia-Serie 80 Pictures werden scheinbar banale Alltagsschnappschüsse gleich mehrfach in neue Kontexte einsortiert: Durch paarweise Zurodnung, durch Orts- und Jahresangaben, durch beiläufige Betonung einzelner Bildelemente. Auf einmal werden mißglückt wirkende Bilder verregneter Urlaubsorte zu vielschichtigen Meditationen über Säulen, Bögen, Linien, Fenster.

Da merkt man dann auch, dass Höfers Arbeit von einem feinen Humor getragen wird. Die melancholischen Tiere, die in den brutalistischen Betonburgen der von Höfer fotografierten Zoos gefangen sitzen, oder die zwölf Abgüsse von Rodins Bürgern von Calais, die neben Parkplätzen, in Stadtparks und in Museen ihren Heroismus behaupten wollen: Das sind Motive, deren Banalität und Alltäglichkeit genug Bizarres und Groteskes enthalten, um eine Abbildung zu verdienen.