In Arno Schmidts Tina ist die Rede von einem besonderen Denkmal: Es ist dem Brandstifter der Bibliothek von Alexandria gewidmet. Denn im fiktiven Elysium, in dem der Roman spielt, ist jeder Einwohner dazu verdammt, so lange weiterleben zu müssen, wie sein Name in irgend einem schriftlichen Dokument der Welt noch existiert.

In diesem Elysium könnte man nun ein neues Denkmal errichten und es den Kölner Verkehrsbetrieben weihen. Vorausgesetzt, es bewahrheitet sich, was nach den aktuellen Berichten immer wahrscheinlicher ist, das nämlich der Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln durch den Bau der U-Bahn-Strecke unterhalb der Altstadt mitverursacht wurde. Und durch die köln-übliche Mélange aus Schlamperei, Inkompetenz und Indifferenz.

Paradox, dass das Gedächtnis der Stadt just zu einem Zeitpunkt in Trümmern liegt, wo die Stadt mit großem Aufwand daran geht, sich über Masterpläne und Großprojekte neu zu erfinden. Aber es paßt auch irgendwie, weil diese Neuerfindungen oft genug wie unreflektierte Zukunftsbilder wirken, ohne Fundament in gewachsenen Strukturen und tatsächlichen Gegebenheiten (worauf schon Ernst Hubeli in der StadtRevue hingewiesen hat).

Es ist darum auch kein Wunder, dass die ersten Reaktionen von städtischer Seite eher hilflos klingen. „Es müsse grundsätzlich geprüft werden, ob man in Zukunft in bewohnten Städten U-Bahn-Bauten in einem solchen Maß durchführen könne“, soll OB Schramma laut WDR gesagt haben. Das ist populistischer Unfug. Wo will er U-Bahnen denn sonst bauen? Auf dem unbewohnten Land? Worauf es ankommt, ist nicht, dass man städtische Infrastrukturprojekte von vorn herein für unmöglich erklärt (und damit Katastrophen wie die gestrige als etwas quasi Schicksalhaftes beraunt), sondern dass man im Vorfeld einfach die planerischen Hausaufgaben richtig macht. Nicht der U-Bahnbau an sich ist das Problem, sondern dass man angesichts der immer höheren finanziellen und städtebaulichen Kollateralschäden den Eindruck bekommen muss, dass nicht richtig gerechnet worden ist.