Kreissparkasse Köln

An eiskalten Abenden wie heute sind die Eingangbereiche der Banken die letzten Fluchtpunkte für die, die sonst keine mehr haben. Es kommt immer jemand vorbei, der Geld braucht oder Kontoauszüge, und drinnen ist es wenigstens geheizt, dafür allerdings auch so hell, dass es irgendwann in den Augen schmerzen muss. Unter den Eingangsbereichen der Kölner Banken ist der von der Zentrale der Kreissparkasse am Neumarkt fast eine Luxus-Suite: Groß und geräumig, mit vielen Automaten vollgestellt, so dass man sich hier sogar ein bißchen Privatsphäre einrichten könnte, wenn man seine Habseligkeiten strategisch geschickt dazwischen platzierte. Die Frau, die sich heute hier niedergelassen hat, läßt aber keinen Zweifel daran, dass sie das gesamte Areal zumindest für ein paar Stunden als ihr persönliches Reich betrachten wird. Als ich den Raum betrete, ist sie ganz ungeniert dabei, sich eine neue Strumpfhose anzuziehen. Von mir läßt sie sich ebensowenig stören wie von dem guten halben Dutzend Leute, die ebenfalls hier ein und ausgehen, während ich mein Geld ziehe.

Natürlich schaue ich nicht hin, sondern konzentriere mich auf den Bildschirm des Automaten und den Dialog, den er mit mir führen will. Ich nehme mein Geld und drehe mich um. Die Frau ist gerade dabei, mit großen Schritten den Raum zu durchmessen. Sie schreitet wirklich, als wolle sie sich vergewissern, dass der Raum tatsächlich so groß ist, wie er scheint. Als ich die Bank verlasse, fällt mir noch auf, dass sie zwar graue Haare hat, aber noch ein recht junges Gesicht. Es sieht sogar fast frisch aus, die Wangen sind gerötet, und dann fällt mir ein, dass ich sie schon öfter hier gesehen habe. Sie sitzt immer hier, erinnere ich mich, entweder vor der Bank oder vor dem Buchgeschäft daneben, und sie war mir schon ein, zwei Mal aufgefallen, weil sie nicht resigniert vor sich hin starrte, sondern eher trotzig.

Als ich eine halbe Stunde später zurückkomme und mein Fahrrad losschließe, werfe ich einen Blick in die Vorhalle der Sparkasse, aber sie scheint verschwunden zu sein. Ich hoffe mal, dass sie sich nur hinter einem der Automaten verkrochen hat und nicht von einem biestigen Wach- und Schließmenschen verscheucht wurde. Es ist wirklich fies kalt hier draußen.