Du bist Deutschland
Dieses Bild tauchte am Dienstag nachmittag zum ersten Mal im Spreeblick auf und rauschte von dort aus in Windeseile durch die deutsche Blogsphäre. Das alleine ist ja nicht erstaunlich, und man sieht daran, dass Blogs inzwischen ähnlich gut funktionieren wie E-Mails. Die Verführung, dieses Bild hier vorzuzeigen und in das schadenfrohe Gelächter mit einzustimmen, ist ja auch groß. Die Diskussion um die Authentizität des Bildes und darüber, ob man darauf wirklich eine sinnvolle Kritik der aktuellen Kampagne aufbauen kann, ist im Spreeblick und an ein paar anderen Stellen bereits geführt worden, so dass es völlig reicht, auf die besten Beiträge zu verlinken, zum Beispiel hier und hier, und diesem Eintrag zufolge wird das Thema morgen auch mindestens in der Frankfurter Rundschau ankommen.

Interessant ist auch, dass sich das Büro der „Du bist Deutschland“-Kampagne im Spreeblick zu Wort gemeldet hat. Das ist vielleicht weniger „ein Schritt der klassischen PR-Agenturen zur Anerkennung der Blogs als Diskursmedium“, wie in einem Blog vermutet wurde, sondern schlicht das Wissen darum, dass der Spreeblick einfach ein Medium ist, das in der Agenturszene viele Leser hat und dass man ein bißchen dumm dasteht, wenn man sich nur zur Zielscheibe macht. (Der Kommentar selbst wirkt auf mich eher hilflos.)

Was mich am meisten beeindruckt hat, ist dass diese Geschichte fast ein Lehrbuchbeispiel dafür ist, wie gut Blogs als Diskussionsmedium funktionieren können. Das muß nicht immer so sein: Hier war es einfach ein Glücksfall, dass die Geschichte über ein paar Blogs gelauncht wurde, die einfach gute und besonnene Schreiber haben. Allein die Recherchearbeit, die da unternommen wurde, um die Authentizität des Bildes zu belegen, verdient Respekt, ebenso die Diskussion über die politische Relevanz der Entdeckung. (In den Kommentaren steht da freilich schon der eine oder andere Unfug.) Vielleicht ist der Blog doch der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.

Nachtrag: Gegen die „Du bist Deutschland“-Kampagne gibt es jetzt sogar eine Strafanzeige. Die Geschichte steht allerdings nicht in Zusammenhang mit dem Foto, sondern mit dieser Posse hier.

Noch ein Nachtrag: Das nenn ich archivarische Akribie: Der Bembelkandidat hat eine chronologische Auflistung der Blogs, die gestern über das Foto geschrieben haben. Wohl nicht mehr ganz vollständig, aber beeindruckend nevertheless.

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