Verborgene Mütter

Die langen Belichtungszeiten der ersten Kameras machten Porträtaufnahmen schwierig: Ein unkontrolliertes Zwinkern oder Zittern, ein Wackeln mit dem Kopf, und das Bild war womöglich im Eimer. Die Porträtierten wurden darum oft in unbequeme Gestelle gezwängt, um für die Dauer einer Aufnahme ruhig halten zu können. Bei kleinen Kindern half freilich auch das nicht immer, und darum nahm man gelegentlich die Mütter mit aufs Bild, damit sie die Kinder festhielten, versteckte sie dann aber unter Tüchern, Decken, Vorhängen oder im Zwielicht des Bildhintergrunds. Und das führte in manchen Fällen zu ausgesprochen bizarren, um nicht zu sagen gespenstischen Ergebnissen.

Verborgene Mutter

In dieser Flickr-Gruppe gibt es eine große Zahl solcher Photographien. Auf denen die Mütter dafür zu sorgen hatten, dass ihre Kinder die standesgemäßen, ordnungsgemäßen Posen einnahmen, während sie selbst im Objektiv des Photographen zum Verschwinden gebracht werden sollten. Was freilich nicht vollständig gelingen konnte, weswegen sie am Rand oder im Hintergrund der Bilder als körperlose, verstümmelte Gestalten sichtbar blieben.

(Nebenbei: Natürlich ist es gut möglich, dass bei manchen dieser Aufnahmen gar nicht die leibliche Mutter unter der Decke steckt, sondern Geschwister, ein Kindermädchen, eine Gouvernante, ein Assistent oder sonst wer, manchmal vielleicht sogar der Vater …)

Verborgene Mutter

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