Speculative realists
Rock das Geviert: Iain Hamilton Grant, Graham Harman, Quentin Meillassoux, Ray Brassier

Ich bin gerade dabei, mich in ein paar Bücher aus dem Umfeld des spekulativen Realismus einzulesen, einer noch relativ jungen philosophischen Schule mit dem ehrgeizigen Projekt der Sichtung, Sprengung und Neuanordnung einiger philosophischer Brocken, die sich seit Kant aufgetürmt haben. Wichtigstes Bindeglied der einzelnen Positionen ist die Ablehung des „Korrelationismus“, wie Meillassoux das zentrale Postulat nachkantischer Philosophie nennt, nämlich dass Denken keinen Zugang zum Ding an sich finde, sondern nur zu den Erscheinungsformen der Dinge (oder anders gesagt, nur zum Korrelat von Sein und Denken, aber nicht zu Sein oder Denken unabhängig voneinander). Abgelöst werden soll dieser Korrelationismus durch neue Spielarten eines philosophischen Realismus, die es ermöglichen, sich zu den Objekten, Entitäten und Instanzen der „realen“ Welt neu ins Verhältnis zu setzen. Wie dieser Realismus aussehen könnte, darüber gibt es unter den spekulativen Realisten unterschiedliche Auffassungen.

Ich will bei Gelegenheit noch auf einige der wichtigsten Positionen zu sprechen kommen, vor allem auf Quentin Meillassoux’s Nach der Endlichkeit das so etwas wie das konstitutive Buch dieses Denkens ist, da sich hier die erste kompakte Kritik des Korrelationismus findet. Neben Meillassoux gelten Iain Hamilton Grant, Graham Harman und Ray Brassier (dessen Nihil Unbound gerade auf meinem Schreibtisch gelandet ist) als wichtigste Protagonisten.

Interessant ist aber vor allem, dass diese neuen spekulativen Ansätze vor allem im englischsprachigen Raum einige neue und spannende Diskussionen freigesetzt werden, die zu einem guten Teil in Blogs stattfinden. Der spekulative Realismus hat, um Mark Fisher zu zitieren, einen neuen „Eifer der Produktion von Konzepten und Ideen ausgelöst, der weit über die hergebrachten (aber inzwischen weitgehend todgeweihten) akademischen Felder hinausreicht, mit denen Philosophie üblicherweise in Verbindung gebracht wird“.

Die Blogrolls bei Speculative Heresy und Larval Subjects bieten ein paar gute Einstiegspunkte. Noch praktischer ist der Feed-Aggregator, den der Game-Theoretiker Ian Bogost (selbst jemand, der die spekulativen Instrumentarien auf unorthodoxen Feldern zu Anwendung bringt) aus einigen der wichtigsten Blogs zusammengestellt hat. Wer dem Fluss der Diskussionen folgen möchte, findet hier ein gutes Sprungbrett. Von den vier „Gründungsautoren“ bloggt allerdings kurioserweise nur einer: Graham Harman. (Der tut das allerdings so beängstigend eifrig, dass er fast eine gesamte Fakultät damit aufwiegt).