gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Kategorie: Leben (Seite 2 von 28)

es gibt keinen richtigen lifestyle im falschen.

Ruhrhalden-Tour III

Halde Hoheward

Die dritte (und vorerst letzte) Runde über die Halden der Ruhr fand parallel zu einer der „Flagschiff“- oder „Leuchturm“-Veranstaltungen des Kulturhauptstadtjahrs statt. Im Rahmen der Aktion SchachtZeichen stiegen eine Woche lang über ehemaligen Zechenstandorten kleine gelbe Heißluftballons auf. „Bis zu 350 Ballons“ sollten es nach Auskunft der Veranstalter sein, die „bis zu 80 Meter hoch über den ehemaligen Schächten“ im Wind schwebten und wie Stecknadelköpfe auf einer Landkarte „die Orte, an denen alles begann“, sichtbar machen sollten.

Eine Aktion mit großem logistischen Aufwand, die an vielen Orten zu einem fröhlichen Ehemaligen-Treffen geriet und mit Würstchenbuden und Biertischen zu kleinen Volksfesten umfunktioniert wurde, anderswo nutzten neuangesiedelte Firmen die Gelegenheit zu PR-Präsentationen. Die öffentliche Resonanz war ausgesprochen positiv. Und auch wenn das besondere Verhältnis der Ruhrpöttler zu ihrer Vergangenheit schon zum Klischee geworden ist, muss man doch immer wieder verblüfft registrieren, dass das Klischee wirklich Substanz hat: Ich kenne wenige Regionen, wo Neugier und Bereitschaft, sich mit der eigenen Vergangenheit und ihren Spuren auseinanderzusetzen, so umfassend und breitflächig gegeben sind wie hier an der Ruhr. Da spielt sicher viel verklärte Nostalgie eine Rolle, aber auch das Wissen, dass der beschworene Strukturwandel nicht so reibungs- und bruchlos vonstatten geht, wie die Politik das gerne möchte. Weiterlesen

Ruhrhalden-Tour II

Auf Halde Norddeutschland

Das Pfingstwetter war ein guter Anlass, die Tour über ausgewählte Ruhrhalden fortzusetzen. Diesmal ging die Fahrt in den westlichen, linksrheinischen Teil des Ruhrgebiets. Eine Region also, von der gerne vergessen wird, dass sie auch noch dazu gehört: Wenn man vom Revier spricht, meint man meistens Duisburg, Essen oder Dortmund, aber selten Kamp-Lintfort, Moers oder Neukirchen-Vluyn. Für viele meiner rheinischen Bekannten ist das hier schon der Niederrhein. Auch in der Region ist man mit der Zugehörigkeit zum Ruhrgebiet nicht durchweg glücklich: Im zuständigen Kreis Wesel gibt es seit Jahren einige Stimmen, die einen Ausstieg aus dem Regionalverband Ruhr befürworten. Der Versuch, das Anliegen politisch umzusetzen, scheiterte vor knapp zwei Jahren allerdings recht spektakulär, und ist damit erst mal für einige Zeit vom Tisch.

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Ruhrhalden-Tour I

Halde Haniel

Bergehalden sind die sichtbarsten Zeugnisse einer notgedrungen verschwenderischen Industrie. Fast die Hälfte des Materials, das im Steinkohleabbau zu Tage gefördert wird, ist taubes Gestein (Berge), und davon wiederum müssen drei Viertel oberirdisch aufgehäuft werden. Es hat relativ lange gedauert, bis man diesen landschaftlichen Eingriff als eben das begriffen hat: Eine Umgestaltung der Landschaft, die Struktur, Aussehen und Ökologie einer Region maßgeblich verändert. Erst spät begann man damit, Halden bewusst als Landschaftsbauwerke zu definieren, die auch nach ihrer industriellen Nutzung noch eine Funktion haben sollten, und schon für den Entstehungsprozess feste Gestaltungsregeln aufzustellen.

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Den Ruhrschnellweg entlang

Ruhrschnellweg in Essen

Die Karte unten ist Dokument eines kleinen Experiments. Sie zeigt den Verlauf einer Radtour entlang des Ruhrschnellwegs, das heißt: der A40 zwischen Duisburg-Häfen und Dortmund-West, und der B1 zwischen Dortmund und Unna-Massen. Eine Radtour entlang einer Autobahn? Es gibt zweifellos angenehmere Routen, sportliche oder entspannendere. Was könnte einen dazu bweegen, einen Tag lang einer siebzig Kilometer langen, lauten und abgasverpesteten Asphaltpiste zu folgen?

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Asche zu Asche

Ehemaliger Regierungsbunker

Ein makellos blauer, von keinem Kondensstreifen durchfurchter Himmel über den Anlagen des ehemaligen Regierungsbunkers bei Ahrweiler: Ein seltsames Idyll, wie ein ironischer Kommentar über Endzeit-Erwartungen und apokalyptische Schutzmaßnahmen, an diesem Frühlingswochenende unter der Asche eines randalierenden isländischen Vulkans. Der Untergang einer Welt muss gar nicht so schlimm sein, die Apokalypse könnte auch in Form einer Farce geschehen, und dann ist es wirklich angenehmer, draußen durch die Weinberge zu spazieren, als sich in einen öden Bunker unter einen Berg zu verkriechen und zu hoffen, dass alles irgendwie vorbeigeht.

Ehemaliger Regierungsbunker

Die Bunkeranlagen sind selbst schon so etwas wie eine Farce: Einem gezielten Atomschlag hätten sie vermutlich kaum Stand gehalten, weil sie nach veralteten Maßstäben berechnet war, aber man hatte nun schon mal angefangen mit dem Bau, also musste das Zeug auch fertig gestellt werden.

Gerade einmal einer 20 Kilotonnen-Bombe, vergleichbar mit der Sprengkraft einer „Hiroshima-Bombe“, hätte die Bunkeranlage standgehalten. Schon geheime Gutachten aus dem Jahre 1962 rechneten mit 250-fach stärkeren Waffen […]. Die Explosion einer solchen Fünf-Megatonnenbombe hätte den Weinberg samt Bunker zu Staub zerblasen. Die Erschütterung hätte alle Beteiligten als nuklearen Fallout über den Rhein verstreut.

Oder vielleicht als feinen Aschestaub in die Atmosphäre geschleudert, nur dass es dort vermutlich keinen Luftverkehr mehr gegeben hätte, den diese Wolke hätte behindern können. Wie dem auch sei, der Bunker wäre jedenfalls in etwa so funktionstüchtig und zuverlässig gewesen wie aktuell die Sicherungssysteme, Aufsichtsgremien und Kontrollbürokratien der Finanzwirtschaft und etwa so hilflos wie die internationale Luftfahrt beim Auftreten einer Aschewolke von ungeheuren Ausmaßen.

Ehemaliger Regierungsbunker

Die Erde ist nicht nur zu klein für Fortschritt und schnellen Profit, sondern vielleicht auch – und das ist beunruhigend – für Demokratie, Frieden und Seelenfrieden. Wir werden immer wieder erschüttert und erschreckt durch eine Synchronisation der Emotionen, die die Standardisierung der Meinungen ersetzt. Ich habe das den Kommunismus der Affekte genannt. Auf die Interessensgemeinschaft der sozialen Klassen, des Kommunismus, ist eine Emotionsgemeinschaft gefolgt, und das ist in der Tat beunruhigend.

Paul Virilio im Interview mit L’Humanité

Es gibt halt immer einen Faktor, der das Kalkül durchkreuzt. Die atomare Apokalypse ist ausgeblieben, dafür haben wir jetzt eine possenhafte Apokalypse aus Aschestaub, während der man aber wenigstens wieder die Vögel singen hören kann. Der Luftraum soll heute wieder freigeben werden, und bald werden auch die ersten Kondensstreifen wieder ihre Kurzprosa über die Beherrschbarkeit der Elemente an den Himmel schreiben. So lange kann man den rebellischen Vulkan kaum besser würdigen als der isländische Schriftsteller Haukur Már Helgason:

Personally, I take a bit of pride in that anarchist volcano of ours, and suggest it will be considered as an honorary member of the Tarnac 9. As a manifesto it is obviously coherent with the ‚No demands‘ tactics of some recent movements both sides of the Atlantic. And as of yet the damage done by it more or less only hits polluting big business, already significantly lessening this year’s carbon footprint by amounts equal to the annual output of several third world states combined.

(Helgason-Zitat via.)

Media vita in morte sumus

Wegkreuz in Asbach

Im Westerwald, an der Kreisstraße 70 auf dem Gebiet der Gemeinde Asbach, steht dieses Wegkreuz. Kein übliches Wegkreuz, denn die Aufschrift verrät, dass sich hier eine tragische Geschichte abgespielt haben muss:

Jesus! Maria! Joseph! Laurentius!
Betet für den hier am 28. Oct. 1888 gestorbenen Jüngling
Johann Schellberg
Geb. zu Altenburg 21. Juli 1851
Memento mori
RIP

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Zurück aus Zeeland

Zimmer ohne Frühstück

Und wieder mal begeistert von der Qualität und Austattung holländischer Ferienwohnungen.

Fetisch der Bobos

In der amerikanischen Presse wird zur Zeit ein wenig abgelästert über Probleme des Pariser Bike-Sharing-Programms Vélib‘: Vandalismus und Diebstahl sorgten für erhebliche Einbussen, schreibt die New York Times, 80 Prozent der ca. 20.000 Mieträder seien bereits innerhalb eines Jahres defekt oder gestohlen gewesen, etwa 1.500 Räder müssten täglich repariert werden. Die Story wird in einigen US-Medien mit einer gewissen Süffisanz kommentiert – möglicherweise eine Art vorgezogener Backlash, weil auch in vielen US-Städten ähnliche Programme aufgelegt werden oder in Planung sind. Weiterlesen

„Zum glücklichen, zum wahrhaft menschlichen Leben …“

IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel

Man fährt durch eine idyllische Landschaft, um zum IG Metall Bildungszentrum in Sprockhövel zu kommen. Die „größte gewerkschaftliche Bildungsstätte der Welt“ (laut Wikipedia) liegt weitab von Gewerbe- und Industriegebieten, inmitten sanft gewellter Hügel, umgeben von viel Wald, Feldern und ein paar dörflichen Ansiedlungen. Das Bildungszentrum ist, trotz seiner beachtlichen Ausmaße („29.423 m² auf zwei Etagen“) ein erstaunlich unauffälliges Gebäude: Es ist niedriger als die Baumkronen des Waldes, der es umgibt, und man sieht es erst im buchstäblich letzten Moment der Anfahrt, wenn die kleine Zufahrtsstraße auf den Parkplatz davor einschwenkt. Mit seinem nüchternen und funktionalen Design gleicht es vielen, x-beliebigen Schul-, Verwaltungs- oder Sparkassengebäude in Deutschland. Weiterlesen

Wo die Blumen sind

Blume

Man weist mich auf eine neue Website hin, und weil es um eine durchaus interessante Sache geht, geb ich das gerne mal weiter: Blumen.natürlich ist ein Projekt des Flower Label Programs (Design von dieser Truppe) und will ein bißchen mehr Aufmerksamkeit dafür schaffen, dass man Blumen wirklich nicht da kaufen muss, wo sie aus Afrika eingeflogen werden, mit dem Einsatz überflüssiger Chemie und/oder unter ausbeuterischen Bedingungen produziert werden. Pointe der Seite ist ein virtuelles Blumenfeld, in dem man kleine Textblümchen pflanzen, während dazu ein angenehm bukolischer Soundtrack von Wolfgang „Computerjockey“ Hagedorn durch den Äther rauscht. Weiterlesen

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