gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Kategorie: Technik (Seite 1 von 16)

Recharge

Bei Gut Walbig

In den vergangenen Wochen ist es hier etwas ruhiger geworden. Der Jahreswechsel hat einen ordentlichen Berg Arbeit aufgetürmt, der erst einmal weggeschafft werden musste. Die wenige freie Zeit wollte ich vor allem für ein paar kleinere Veränderungen an der Website nutzen, aber aus den überschaubaren Updates wurde dann doch ein unerwarteter Mehraufwand. Vor allem auch deshalb, weil man über einem einfachen WordPress-Update mittlerweile leicht ein oder zwei Tage verlieren kann, um herauszufinden, welches Fitzelchen Code mit welchem liebgewonnenen Feature nicht mehr ohne weiteres kompatibel ist.

Der gröbste Frust ist mittlerweile überwunden, es läuft zwar noch immer nicht alles ganz so, wie ich mir das wünschen würde, aber sei’s drum: Um wieder ein bisschen Fahrt aufzunehmen, reicht es allemal. Kurs auf 2011 also.

Geocities-izer

Geocities-izer

Sowas trifft ja genau mein Humorzentrum: Der Geocities-izer lässt jede Website so aussehen, als wäre sie „1996 von einem 13jährigen gemacht worden“. Um ehrlich zu sein, ich finde diesen Retro-Chic gar nicht mal so schlecht … kennt jemand eine gute Quelle für Wackel-Gifs und knallige Hintergrundkacheln?

Llamadas

Llamada
Photo: Nicolas Nova.

Noch etwas Handy-Anthropologie: Ein weiteres Beispiel dafür, wie neue Technologien in der Dritten Welt auch zu neuen sozialen Praktiken führen können, hat Nicolas Nova in Peru entdeckt. Dort gibt es die sogenannten Llamadas:

It’s generally women or teenagers with a bundle of mobile phones and a stop-watch who act as pay phones. They wear colorful clothes with mobile carriers brands and the “llamadas” logo (that they also shout when you pass by).

Weiterlesen

Info-Sedimentierung

All die lokativen Medien, die Orte und Informationen verknüpfen, haben einen eher ernüchternden Effekt. Kazys Varnelis beschreibt ein Gefühl, dass ich ganz gut nachvollziehen kann.

Having this stuff in my hand is deeply anticlimatic. Retrieving information tied to a location is turning out not to have much of an impact on my perception of it.

Varselis erwähnt Benjamins Hoffnung, die Geschichte eines Ortes einmal an ihm selbst sichtbar machen zu können. Aber das gelingt nur in den seltensten Fällen. Eher hat man das Gefühl, einen Ablagerungsvorgang zu beobachten, eine Info-Sedimentierung: Die Anhäufung von Wissen in Schichten über Schichten, und man muss fast Archäologe oder Geologe sein, um darin noch Trilobiten und Tonkrüge finden zu können.

My sense is that now, of all times in recent history, developing new technologies is a backwards move. Our ability do retrieve infromation is all but ubiquitous now. The real developments are going to be in the way that society changes—in terms of finance, sexuality, politics, urbanism and so on—and these kind of transformations are going to be bottom-up.

Nebenbei: Was ist eigentlich aus der Idee geworden, Baudenkmäler und öffentliche Gebäude mit Strichcodes zu bepappen, die auf Wikipedia-Artikel verlinken? Gibt es das noch?

Handy-Anthropologie

Jan Chipchase hat in Uganda entdeckt, wie ein Mobiltelefon auch als Medium für den Zahlungsverkehr eingesetzt werden kann, ohne dass man dafür eine Bank benötigt: Joe will Jane Geld schicken, die wohnt aber irgendwo in einem kleinen Dorf auf dem Land, wo die nächste Bank eine Tagesreise entfernt ist. Also kauft er eine Prepaid-Karte. Mit der freigerubbelten Nummer lädt er aber nicht sein eigenes Telefon auf, sondern kontaktiert einen Vertrauensmann im Dorf. Der notiert sich die Nummer auf, nimmt eine Kommission und zahlt den Restbetrag an Jane aus. Mit dem Code kann er nun selbst ein Handy aufladen – und als öffentliches Telefon der übrigen Dorfgemeinschaft anbieten. Weiterlesen

Aggregierte Architektur

Ein architektonischer Digest im PDF-Format: Prss Release sammelt wöchentlich zehn Artikel aus Blogs zu Architektur, Urbanismus und verwandten Themen, und setzt sie in ein etwas unbehauenes, dafür gut lesbares und vor allem druckerfreundliches Layout.

We do this independently, not for profit, for fun, for all our friends who are not the nerds that we are and to bring the writing efforts of bloggers to a larger audience.

heißt es im Editorial Statement, dass ansonsten ähnlich spartanisch gehalten ist wie die gesamte Site und das Layout der bislang drei Digests (von denen einer auch nur eine Linkübersicht ist).

Über die formale Schlichtheit kann man sicher streiten, aber die Zusammenstellung der Texte ist geschmacks- und inhaltssicher, und an einem gut gemachten Digest gibt es eh nichts zu nörgeln. Interessant an Experimenten wie Prss Release ist auch, dass es bei der Idee des Remixens und Remodelns weniger um die Inszenierung von „Fortschritt“ geht: Sondern um die Frage, wie man Medienbrüche so überwinden kann, dass alle erreicht werden können, die eine Sache angeht.

Ars moriendi

Es scheint so, als ob die US-Kreditkrise über Bande nun auch die Technologiebranche erreicht. 20 Prozent aller Start-Ups im Silicon Valley kommen derzeit nicht an ihr Kapital, behauptet Techcrunch. Der Grund: Zahlreiche Firmen haben sich offenbar dazu bewegen lassen, ihr Kapital in sogenannten Auction Rate Securities (ARS) anzulegen – und damit in einen Markt, der gerade eingefrorern ist. Weiterlesen

Tecno Brega

Es ist ja nicht wirklich so, dass die Musikindustrie dem Exitus nahe ist: Das gilt nur für einige ihrer Protagonisten. Wenn man nach Modellen sucht, wie mit Musik Geld verdient werden kann, muss man sich nicht mit Radiohead begnügen. Man kann auch mal ein bißchen über den amerikanischen und europäischen Tellerrand hinausschauen. In der brasilianischen Stadt Belém gibt es eine lebendige Party-Szene, die sich Tecno Brega nennt. Musikalisch ist das ein weiterer Hybrid lokaler Pop-Traditionen mit Techno-Twist, sehr roh und direkt, vergleichbar dem Baile Funk aus den Favelas von Rio de Janeiro, aber das ist nicht das Interessante. Spannend an der Tecno Brega-Szene sind die Methoden, wie der Vertrieb und die Vermarktung der Musik hier funktionieren. Und wie die Protganisten dieser Szene es geschafft haben, eine Art Gegenökonomie zur etablierten brasilianischen Musikindustrie aufzubauen.

Kaum einer der Künstler setzt darauf, mit Plattenveröffentlichungen Geld zu verdienen. Die Szene existiert vor allem live, auf großen Partys und Sound Systems am Wochenende. Natürlich gibt es CDs mit Brega-Musik zu kaufen, über 400 Platten erscheinen im Jahr, heißt es hier. Aber diese Platten werden in der Regel ad hoc produziert – Brega darf ruhig billig klingen – und schnell auf den Markt geworfen, über fliegende Händler, die sie für Preise um einen Euro verkaufen, nicht über Plattengeschäfte. Denn die CDs sind nicht das, was vermarktet werden soll – sie sind das Marketing-Tool selbst: Auf den Covern und nicht selten auch in den Texten finden sich Hinweise auf die Partys am Wochenende. Der Preis ist nur ein Anreiz für die Händler, damit der Vertrieb der CDs funktioniert, aber er ist so niedrig wie es geht, damit sich möglichst viele die Platten leisten können. Auch der Eintritt zur Party kostet selten mehr als ein bis zwei Euro. Weil die CD als Marketinginstrument gilt, können die Bands auch ganz gut damit leben, wenn die CDs schwarz kopiert und weiter gereicht werden: Das macht die Party und die eigene Musik nur bekannter.

Eine weitere Besonderheit: Die Partys werden mitgeschnitten und die CDs direkt am Ende der Veranstaltung als Souvenirs verkauft (üblicher Preis: um die zwei Euro). Die Souvenirs sind auch darum begehrt, weil auch im Tecno Brega das Grüßen eine wichtige Rolle spielt: Shout Outs für Freunde, Nachbarn und wer sonst noch so zur Posse gehört, sind fester Bestandteil des Party-Rituals – und die bezahlen dann gerne ein paar Euro für eine CD, auf der ihr Name zu hören ist. Würde mich nicht wundern, wenn man die Shout Outs auch kaufen kann – vom Geburtstagsgruß bis zum Product Placement geht da bestimmt einiges.

Eine Brega-Band, Banda Calypso, gilt mittlerweile als populärste Band Brasiliens. Das Ensemble verdient aber so gut wie kein Geld mit dem Verkauf der eigenen CDs, umso mehr dafür über Live-Auftritte (und ein paar DVD-Veröffentlichungen). Schlecht scheint’s den Musikern dabei nicht zu gehen: Eine Anekdote erzählt, dass ein Fernsehsender die Band für einen Auftritt mit einem Firmenjet einfliegen wollte. Banda Calypso lehnte dankend ab: Nicht nötig, man besitze ein eigenes Flugzeug.

Es gibt ähnlich kreative Vertriebsmechanismen wie in der Brega-Szene auch in anderen Regionen der Welt, in anderen Musikszenen usw. Aber in Belém ist die übliche Vermarktungslogik der westlichen Musikindustrie ganz deutlich auf den Kopf gestellt: Während bei uns der Auftritt (das einmalige Ereignis) nur ein Marketing-Tool ist, um ein dauerhaftes „Werk“ (das Album, die Single) zu verkaufen, ist es hier genau umgekehrt: Das Ereignis ist die Hauptsache, und Geld wird mit Dingen verdient, die die Einmaligkeit unterstreichen und verstärken.

(Via.)

BibliOdyssey als Buch

BibliOdyssey gehört zu den ersten Blogs, die ich entdeckt habe, und immer noch zu meinen liebsten: Eine eklektizistische, subjektive Reise durch Online-Archive alter Manuskripte, Bücher und Illustrationen. Ein irdisches Vergnügen im Blog, sozusagen. Die Neugier von Autor Peacay scheint dabei wenig Grenzen zu kennen: Ob botanische Enzyklopädien, arabische Illuminationen, Atlanten aus der Zeit der Entdeckungen, Illustrationen zu literarischen Werken – der Fundus an faszinierenden Entdeckungen, die man auf der Odyssee durch die Online-Bibliotheken machen kann, ist erstaunlich.

Im November wird auch ein Buch zur Websiteerscheinen, mit einem Vorwort von u.a. Dinos Chapman, und in einer, nach dem ersten Eindruck, sehr eleganten Aufmachung.

Solche Buch-zur-Website-Projekte finde ich zwar nicht immer erfolgreich, und das Schöne an BibliOdyssey ist ja eigentlich der spontane, erratische Charakter, das Überraschende der Entdeckungen, die wie Postkarten eines weltreisenden Onkels auf dem eigenen Schreibtisch eintrudeln. Aber wenn es ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für BibliOdyssey bringt, und für die versteckten Schätze, die von Universitäten, Museen und (nicht zum geringen Teil) engagierten Privatiers bereit gehalten werden, soll’s mich freuen. (Und vielleicht ermutigt das dann auch ein paar Institutionen mehr, ihre Archive virtuell zugänglich zu machen.)

Lllloot!

Ffffound

Ffffound ist ein kurioses Ding. Als eine Art del.icio.us für Bilder wird die Website in der Regel beschrieben, Social Bookmarking für visuelle Inhalte. Ich finde diese Beschreibung nicht ganz korrekt, denn mit del.icio.us hat Ffffound nur relativ wenig zu tun. Klar, man kann die URLs von Bildern abspeichern, man kann sehen, was andere abgespeichert haben und bekommt Bilder, die einem gefallen könnten, anempfohlen. Weiterlesen

Ältere Beiträge