gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Rubrik: Bilder (page 1 of 9)

Verborgene Mütter

Verborgene Mütter

Die langen Belichtungszeiten der ersten Kameras machten Porträtaufnahmen schwierig: Ein unkontrolliertes Zwinkern oder Zittern, ein Wackeln mit dem Kopf, und das Bild war womöglich im Eimer. Die Porträtierten wurden darum oft in unbequeme Gestelle gezwängt, um für die Dauer einer Aufnahme ruhig halten zu können. Bei kleinen Kindern half freilich auch das nicht immer, und darum nahm man gelegentlich die Mütter mit aufs Bild, damit sie die Kinder festhielten, versteckte sie dann aber unter Tüchern, Decken, Vorhängen oder im Zwielicht des Bildhintergrunds. Und das führte in manchen Fällen zu ausgesprochen bizarren, um nicht zu sagen gespenstischen Ergebnissen.

Verborgene Mutter

In dieser Flickr-Gruppe gibt es eine große Zahl solcher Photographien. Auf denen die Mütter dafür zu sorgen hatten, dass ihre Kinder die standesgemäßen, ordnungsgemäßen Posen einnahmen, während sie selbst im Objektiv des Photographen zum Verschwinden gebracht werden sollten. Was freilich nicht vollständig gelingen konnte, weswegen sie am Rand oder im Hintergrund der Bilder als körperlose, verstümmelte Gestalten sichtbar blieben.

(Nebenbei: Natürlich ist es gut möglich, dass bei manchen dieser Aufnahmen gar nicht die leibliche Mutter unter der Decke steckt, sondern Geschwister, ein Kindermädchen, eine Gouvernante, ein Assistent oder sonst wer, manchmal vielleicht sogar der Vater …)

Verborgene Mutter

Photos von

Atomino

Atomino

Ein Bild aus Zeiten, als die Atomenergie noch nützlich war. Ein bisschen ungebärdig war sie höchstens und nicht immer leicht zu kontrollieren, ansonsten aber grundsätzlich sympathisch, selbst wenn sie das Wasser im Meer zum Kochen brachte. Dann hatte man immerhin reichlich Fischfilet für die Strandparty mit Freunden (und hat die „Titanic“ nicht kürzlich sowieso geraten, dass man Sushi fürs Erste besser abkocht?). —–>

New Topographics in Köln

Ausstellungen, die andere Ausstellungen nachstellen, erinnern immer ein wenig an die Comeback-Tourneen alternder Rockstars. Vor allem dann, wenn es um Ausstellungen geht, die eine Zäsur markiert haben und als besonderes Ereignis in die Kunstgeschichte eingegangen sind: Was damals neu war, wird dann oft von einer nostalgisierenden Rückschau eingeholt, die Grenzüberschreitung wird zur Eingemeindung.

In der Photographischen Sammlung der SK Kultur gibt es derzeit New Topographics zu sehen, die Rekonstruktion einer legendären Ausstellung von 1975. Ursprünglich fand diese Ausstellung im amerikanischen Rochester statt, wo auch Kodak beheimatet ist, und zwar im George Eastman House, dem zum Museum umgestalteten ehemaligen Wohnhaus des Firmengründers. New Topographics: Photographs of a Man-altered Landscape sollte eine neue Perspektive der amerikanischen Landschaftsphotographie vorstellen: Weg von den neuromantischen Naturpanoramen eines Ansel Adams oder Minor White, hin zu einem nüchternen, unverklärten Blick auf Banalität und Alltäglichkeit amerikanischer Vorstädte und Industrieanlagen. —–>

Kinshasa Symphony

Kinshasa Symphony

Am Wochenende waren die Bratschistin an meiner Seite und ich auf der Kölner Kinopremiere von Kinshasa Symphony, einem Dokumentarfilm über ein Sinfonieorchester aus der kongolesischen Hauptstadt. Der Film lief hier im Rahmen des Festivals Jenseits von Europa, das sich in diesem Jahr dem afrikanischen Kino widmet – eine vielleicht etwas kuriose Verbindung, denn als deutsche Produktion steht Kinshasa Symphony ja eher für einen europäischen Blick auf Afrika und nicht unbedingt für eine Perspektive, die jenseits unseres Tellerrands zu Hause wäre. Auch der Inhalt des Films klingt auf den ersten Blick nach einem klassischen europäischen oder wenigstens westlichen Leitmotiv, wie man es aus unzähligen Sport- und Musikdokumentationen kennt: Kunst und Kultur als romantisches Refugium, in dem sich auch Underdogs durchsetzen können, wenn sie nur leidenschaftlich, engagiert oder authentisch genug zu Werke gehen. —–>

Winstanley

Winstanley

And hereupon, The Earth (which was made to be a Common Treasury of relief for all, both Beasts and Men) was hedged in to In-closures by the teachers and rulers, and the others were made Servants and Slaves: And that Earth that is within this Creation made a Common Store-house for all, is bought and sold, and kept in the hands of a few, whereby the great Creator is mightily dishonoured, as if he were a respector of persons, delighting in the comfortable Livelihoods of some, and rejoycing in the miserable povertie and straits of others. From the beginning it was not so.

- Gerrard Winstanley, The True Levellers Standard Advanced (1649)

Die Filmbranche ist ein Geschäft, das es unabhängigen Produzenten ungleich schwerer macht als etwa die Musik, die Literatur oder die Bildende Kunst. Die Digitalisierung der Medien hat zwar auch die Infrastruktur, die nötig ist, um einen Film zu produzieren, zu vertreiben und vor ein Publikum zu bringen, leichter verfügbar gemacht. Aber einen Film zu drehen, ist doch noch ein komplexeres Unterfangen als die Aufnahme eines Songs oder das Malen eines Bildes. —–>

Fliegen heißt siegen

Fliegen heißt siegen

Ein kurzer Hinweis auf einen sehenswerten Film: Heute abend läuft auf Arte die Dokumentation Fliegen heißt siegen – Die verdrängte Geschichte der Deutschen Lufthansa von Christoph Weber (dessen Black Starlets und Operation Wunderland ich hier auch schon erwähnt habe). —–>

House of Harrington

House Of Harrington von Jeffrey Schwarz und Tyler Hubby.

Aus aktuellem Anlass: Eine sehenswerte Kurzdoku über den B-Movie-Regisseur Curtis Harrington. Sozusagen eine indirekte Hommage für Dennis Hopper: Harrington war der erste Regisseur, der ihm eine Hauptrolle gab, zu einem Zeitpunkt, als Hopper in Hollywood quasi auf der schwarzen Liste stand.

Night Tide (1961 gedreht, 1963 veröffentlicht) ist ein sehr ansehnlicher kleiner Fantasy-Film, und der junge Hopper macht bereits eine ganz passable Figur (wovon man sich etwa ab 8:00 überzeugen kann). Erfreulicherweise ist der Film komplett im Internet Archive verfügbar. Harrington drehte danach noch einmal mit Hopper (Queen of Blood, 1966), bevor der allmählich und mit vielen Umwegen in Hollywood wieder ankam.

(Via.)

Stromversorgung

Stromkastenturm

Dieses schöne Beispiel alltäglicher Bricolage findet sich in Rolandswerth, ganz in der Nähe der Geheimen Gärten. Die etwa mannshohe Konstruktion steht am Rande eines kleinen Fussballplatzes; das Kabel am Kasten links oben führt zu einem Flutlicht. Auf der anderen Seite des Sportplatzes fließt der Rhein, und die Stein- und Betontürmchen, die unter den Kästen aufgeschichtet wurden, dienen wohl vor allem dem Schutz gegen Hochwasser. —–>

Beckers Bilder

In der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur gibt es zur Zeit eine Werkschau des Kölner Photographen Boris Becker. Eine unbedingt sehenswerte Ausstellung, nicht nur weil sie einen wirklich repräsentativen Querschnitt durch Beckers Arbeiten verschafft. —–>

Höfer in Morsbroich

Candida Höfer

Sehenswert: Die Candida-Höfer-Werkschau im Museum Morsbroich. Projects: Done ist der lakonische Titel – ein auf den ersten Blick etwas widersprüchliches Motto, denn ein Projekt ist ja eigentlich etwas, das dem Namen nach unabgeschlossen und offen bleibt, während das Wörtchen “done” zu signalisieren scheint, hier sei etwas abgehakt und erledigt worden. —–>

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