gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Kategorie: U.K. (Seite 1 von 6)

Tweets from London

(in no particular order)

When the Real breaks through, everything seems like a film
@kpunk99 Weiterlesen

The London Nobody Knows

The London Nobody Knows

Ein Postskriptum zum Beitrag über den Sock Mob: Zufällig sah ich letzte Woche auch einen skurrilen, aber charmanten Dokumentarfilm von 1967, The London Nobody Knows. Der Film ist eine Tour durch ein London, das es nicht mehr gibt: Das London der späten Sechziger Jahre, als die Spuren des Krieges immer noch sichtbar und Viertel wie Camden und Spitalfields noch kaum gentryfiziert waren, die Aufräumarbeiten aber bereits begonnen hatten. Weiterlesen

London von unten

Sock Mobs' Unseen Tours

Der Guardian berichtete kürzlich von einem bemerkenswerten Projekt aus London: Eine Bürgerinitiative ermuntert Obdachlose dazu, sich als Stadtführer zu versuchen.

Our Unseen Tours bring you an entertaining and poignant walk with trained homeless guides, offering you a historical but also unexplored perspective of the city, as perceived through the lens of homelessness. Uniquely, the tours interweave the guides‘ own stories and experiences, introducing a new social consciousness into commercial walking tours.

Die Mitglieder des Sock Mob, der Initiative hinter der Idee, besuchen schon seit einigen Jahren Obdachlose, bringen Essen und warme Socken mit und lassen sich dafür im Gegenzug Geschichten erzählen. Dass diese Geschichten auch eine andere Perspektive auf die Stadt bieten und im Kanon städtischer oral histories zu Gehör gebracht werden sollten, ist eine ebenso naheliegende wie sympathische Idee. Interessant genug, um Lidija Mavra, einer der Initiatorinnen des Projekts, ein paar Fragen zu stellen, die sie netterweise auch prompt beantwortet hat. Weiterlesen

Die Lords und die Mäuse

Wenn ich mir ein Osterwunder wünschen dürfte, dann wäre es die Wiederauferstehung des großen Peter Cook. Dann ließe ich ihn diese wunderbare Debatte aus dem britischen Oberhaus nachspielen, zum Mäuseproblem im Parlamentsgebäude:

As I speak here this afternoon, the Bishops‘ Bar and the Guest Room are being hoovered, so we can get rid of the food scraps from lunch. If you were a mouse, you would rather eat the crumbs of a smoked salmon sandwich than the bait. Therefore, we want to remove the crumbs as quickly as possible.

(Via.)

Birminghams Apostrophe

Um es mit Max Goldt zu sagen: „Mich interessiert diese Mode, an Apostrophen zu mosern, überhaupt nicht“. Gleichwohl fand ich diese Meldung aus Birmingham amüsant: Dort wird von Amts wegen zukünftig auf den Gebrauch von Apostrophen in Ortsnamen verzichtet, aus King’s Heath wird Kings Heath. Während also bei uns eine fröhliche Proliferation von Apostrophen und Elisionen zu beobachten ist, macht’s die Stadtverwaltung von Birmingham gerade andersherum: Weg mit dem Auslassungszeichen, runter mit dem Hochkomma, nieder mit dem Oberstrich. Weiterlesen

Someone had to do it. So the 43 group did.

Das britische Pendant zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist der Holocaust Memorial Day, und der Guardian würdigt diesen Tag mit einem Artikel über die 43 Group, eine Stadtguerilla britischer Juden (Kriegsveteranen zumeist), die sich handfest gegen die faschistische Bewegung des Oswald Mosley wehrte. Der versuchte in den Nachkriegsjahren ein politisches Comeback als Führer einer neofaschistischen Bewegung, hatte aber unter anderem die dämliche Idee, große Treffen im jüdischen Viertel Londons abzuhalten. Dort wußte man sich zu wehren, aber das kann man ja im Guardian nachlesen, außerdem gibt es dort ein kurzes Video mit Interviews.

Das prominenteste Mitglied dieser Gruppierung erwähnt der Artikel übrigens seltsamerweise nicht: Vidal Sassoon. Genau, der Shampoo- und Haarspülungskönig. Was der mit der 43 Group zu tun hatte, das kann man in einem Hörfunkbeitrag hören, der vor ein paar Jahren mal auf BBC Radio 4 lief und von dem Auszüge noch auf YouTube verfügbar sind. Bei YouTube gibt es außerdem hier, hier und hier die Dokumentation The Unfinished War einer London Video History Group, die sich ebenfalls mit der 43 Group befasst.

Die essbare Stadt

Nach der kleinen Milchkrise der vergangenen Woche ist dieses Projekt hier umso interessanter: Urban Farming in Middlesbrough. Acht Monate lang wurden Brach- und Grünflächen in der Stadt zum Anbau von Gemüse und Obst genutzt, wobei gerade auch die ärmeren Bezirke der Stadt (die ohnehin nicht zu den wohlhabenden Ecken Englands gehört) berücksichtigt wurden. Das Projekt war so erfolgreich, heißt es, dass es in diesem Jahr eine Wiederholung geben wird.

Die Landwirtschaft kommt zurück in die Stadt. In früheren Zeiten waren Felder, Nutzgärten und Ställe auch innerhalb der Stadtmauern eine Selbstverständlichkeit. Aber je mehr Flächen man für Industrie und Wohnraum benötigte, und je besser (und ökonomischer) die Transportmöglichkeiten für Lebensmitteln wurden, umso weniger Bedarf und Interesse gab es am innerstädtischen Anbau von Nahrungsmitteln. Höchstens in Notzeiten, wie etwa in den Kriegs- und Nachkriegsjahren, ging man wieder dazu über, städtische Parks und Grünflächen als Kohlfelder und Gemüsegärten zu nutzen. Ansonsten finden sich die letzten Reste urbaner Landwirtschaft nur noch in den Schrebergärten (und es ist sicher kein Zufall, dass diese scheinbar so deutsche Institution in den vergangenen Jahren auch zunehmend von türkischen, russischen oder polnischen Familien entdeckt worden ist, die mit selbstversorgenden Infrastrukturen noch etwas besser vertraut sind).

Mit dem Verschwinden der Landwirtschaft aus den Städten und ihrer zunehmenden Industrialisierung und Globalisierung verschwand auch das Wissen um den Aufwand, der für die Produktion von Nahrungsmitteln getrieben werden muss. Lebensmittel sind etwas, das immer verfügbar ist und eigentlich wenig kostet. Ab und zu, wie eben während der Milchbauernstreiks, blitzt dann noch einmal, dass die billigen Preise keine Selbstverständlichkeit sind. Und wie man an den Reisrevolten in einigen Teilen der Welt sehen kann, ist Discount auch kein Dauerzustand.

Warum also nicht ein paar Subsistenzmöglichkeiten bekannt machen? Das Projekt von Middlesbrough mag einen etwas ökoromantischen Touch haben – romantisch in dem Sinne, dass die Lösung für zunehmende Verstädterung und Verlust des „Ländlichen“ auf dem Land in einem Verschwinden der Abgrenzung zwischen beiden Räumen gesucht wird. Aber es geht ja weniger darum, Städte in Agrarzentren umzuwandeln, sondern mehr Wissen und Kenntnisse über die Herkunft von Dingen, die man essen kann, zu vermitteln. Das Nachdenken über die Städte von morgen kann ruhig auch ein paar Ideen von gestern berücksichtigen.

Einige ähnliche Gedanken finden sich übrigens in dem überaus lesenswerten Buch Hungry City: How Food Shapes Our Lives von Carolyn Steel, neben einigen interessanten (und beklemmenden) Daten zur Konzentration der Lebensmittelproduktion in den Händen einiger weniger Konzerne. Auch deshalb, weil man dann versteht, was der frühere US-Gesundheitsminister Tommy Thompson meint, wenn er sagt:

I, for the life of me, cannot understand why the terrorists have not attacked our food supply, because it is so easy to do

Time For Change

Britische Münzen

Wer braucht schon den Euro: Das neue Design der britischen Münzen.

Update: Ein Interview mit dem Münzen-Designer Matthew Dent.

Vorher-Nachher-Gärten

Smith’s place is the admiration of all the country; and it was a mere nothing before Repton took it in hand.

Jane Austen, Mansfield Park

Humphry Repton

Humphry Repton zählt zu den großen Namen der englischen Landschaftsarchitektur des 18. Jahrhunderts. Dabei war er in doppelter Hinsicht ein Spätberufener: Seinen ersten Auftrag führte er 1788 aus, als das 18. Jahrhundert sich bereits seinem Ende zuneigte und in Europa die Zeit der Revolutionen und napoleonischen Eroberungen heraufdämmerte. Repton war da schon 36 Jahre alt, vierfacher Vater und hatte sich mehr schlecht als recht in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern versucht: Als Textilhändler und Journalist, als Dramatiker und als Privatsekretär. Besondere architektonische oder gärtnerische Vorkenntnisse besaß er nicht, aber er konnte gut zeichnen. Außerdem war mit Capability Brown gerade die große Koryphäe der englischen Landschaftsgestaltung gestorben, und ein Nachfolger von ähnlicher Statur nicht in Sicht. Weiterlesen

Der Nachruf als schöne Kunst betrachtet

Hugh MassingberdÜber die Toten soll man nichts Schlechtes sagen. Es sei denn, man hat das Talent dazu. Dann aber hat man auch die Verpflichtung, zu erzählen, und dem Tod nicht zu gestatten, dem Verstorbenen außer seinem Leben auch noch seine Geschichte zu rauben.

Bei uns verschwindet der Tod meistens in der Beiläufigkeit des Feuilletons, wenn er nicht grade an ein großes Ereignis geknüpft ist, und wird irgendwo zwischen Theaterkritiken und Buchbesprechungen versteckt. Oder man überlässt ihn der Anzeigenredaktion, und es bleibt dann dem Betrachter überlassen, sich die Dramen auszudenken, die sich zwischen den Jahreszahlen, in der Auflistung der buckligen Verwandschaft, hinter dem ausgewählten Aphorismus verbergen mögen. Weiterlesen

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