gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Rubrik: Leibesübungen (page 1 of 8)

Auf dem verbotenen Berg

Halde Oberscholven

Die Halde Oberscholven ist einer der markantesten Punkte der Ruhrgebiets, und zugleich einer der unzugänglichsten. Mit knapp 202 Metern Höhe ist sie die höchste künstliche Erhebung im Revier, und dank ihrer freistehenden Lage, bekrönt von zwei großen Windrädern und einem Fernmeldemast, eine weithin sichtbare Landmarke. Sie markiert mehr oder weniger genau die Grenze zwischen der industriellen, dicht besiedelten Kernzone des Reviers und dem weit weniger verstädterten, immer noch landwirtschaftlich geprägten Umland. Diese Lage macht den Gipfel der Halde auch zu einem ganz besonderen Aussichtspunkt, wo man den Kontrast zwischen urbanem Ballungsraum und ländlicher Umgebung ganz anschaulich vorgeführt bekommt. —–>

Gedenkstätten im Königsforst

Gedenkstein im Königsforst

Eine lange Runde durch den Königsforst, vorbei an einigen besonderen Orten der Erinnerung.

Für die meisten Kölner ist der Königsforst in erster Linie ein schönes Naherholungsgebiet. Aber der Wald hat auch eine bewegte Geschichte: Hier wurde Bergbau und Landwirtschaft getrieben, Parforcejagden und Manöver veranstaltet, Handels- und Pilgerkarawanen zogen durchs Gelände. Um die Spuren früherer Zeiten zu erkennen, muss man allerdings genau hinsehen: Viel ist nicht mehr übrig, und das, was es noch gibt, ist bisweilen im Dickicht des Waldes verborgen. —–>

“… 2-2 is a deadlock”

Großartiger Song einer legendären Band aus Zimbabwe (die auch bei John Peel ab und zu mal gespielt wurde). Der größte Teil des Texts besteht aus einem Spielbericht zu einer Partie zweier beliebter Fußballmannschaften. Ab 2:48 trözum Beispiel trägt der Sänger, in einer Art Variante auf Peter Handkes legendärem Text Die Aufstellung des 1. FC Nürnberg vom 27.1.1968, einfach nur die Namen der Spieler vor. Namen, die schon für sich genommen wie Musik klingen: Fanuel Aribeto, Cosmos Pritchard, Sanduka Pakamisa …

Keine Ahnung, um was für ein Spiel es sich handelt, aber es muss wohl ein Finale gewesen sein. Es gibt – laut dieser Bandbiographie – noch mindestens ein weiteres Stück der Real Sounds, das einen ähnlichen Inhalt zu haben scheint (“Dynamos vs Caps”).

(via of Resonance)

Der Vennbahn-Radweg

Vennbahn-Radweg

In der aktuellen Ausgabe der Kundenzeitschrift der Deutschen Bahn gibt es einen Artikel über Radwege auf stillgelegten Bahntrassen. Dass ausgerechnet die Bahn solche Wege als touristisches Highlight abfeiert, ist nicht ohne Ironie. Wenn man heutzutage auf ehemaligen Bahnstrecken ein bisschen Rad fahren kann, dann ist das auch eine Spätfolge der Streckenstillegungen in den Achtzigern und Neunzigern: Damals strich die Bahn das Nahverkehrsangebot im ländlichen Raum radikal zusammen, um sich für den geplanten Börsengang hübsch zu machen. Der Gang an die Börse wurde abgeblasen, die stillgelegten Strecken blieben jedoch zumeist still. Die Idee, diese vergessene Infrastruktur wenigstens für Radfahrer und Fussgänger wieder zugänglich zu machen, ist erst in den vergangenen Jahren in Mode gekommen, aber die Initiative dazu kommt meist nicht von der Bahn, sondern von lokalen Bürgerinitiativen oder Fremdenverkehrsämtern.

Davon liest man im Artikel natürlich nichts (und auch nicht davon, dass manche Bahnradwege mit öffentlichen Verkehrsmitteln gar nicht so einfach zu erreichen sind, weil, nun ja, eben kein Bahnanschluss mehr besteht). Immerhin wird darin aber die verdienstvolle Website von Achim Bartoschek erwähnt, eine beachtliche Internet-Fleißarbeit, die vermutlich die umfangreichste Ressource zu Radwegen auf alten Bahntrassen darstellt, mit Karten, Geodaten, Fotos, was man eben so braucht.

Vennbahn-Radweg

Es ist natürlich besonders angemessen, einen solchen Artikel zu lesen, wenn man selbst auf der Fahrt zu einem Bahntrassenradweg ist. Wir hatten uns auf den Weg gemacht, um eine stillgelegte Strecke zu inspizieren, die nicht nur aus eisenbahnhistorischen Gründen interessant ist, sondern vor allem ein grenzpolitisches Kuriosum darstellt: Die Vennbahn, die von Aachen südwärts zum Hohen Venn bis nach Luxemburg fuhr. Die Strecke verläuft teils durch deutsches, teils durch belgisches Gebiet, teils genau an der Grenze entlang. Das Kuriose: Ein großer Teil der Vennbahntrasse ist auch da, wo er sich durch deutsches Gelände schlängelt, belgisches Hoheitsgebiet. Anders gesagt: Belgien ist zwischen Raeren und Kalterherberg an einigen Stellen nur wenige Meter breit, ein dünner, dafür kilometerlanger Schlauch, der sich durch die Landschaft schiebt, außerdem ein paar Fleckchen Deutschland abschneidet und zu Exklaven macht.

Vennbahn-Radweg

Der bemerkenswerte Grenz- und Streckenverlauf ist eine Folge des Ersten Weltkriegs. Als die Vennbahn Ende des 19. Jahrhunderts von den preußischen Staatsbahnen angelegt wurde, gehörten die Gebiete um Eupen und Malmedy noch zu Preußen beziehungsweise zum Deutschen Reich. Mit dem Ende des Kriegs verschob sich die Grenze nach Osten, und die Bahn mäanderte nun gleichsam zwischen den Ländern hin und her. Die belgische Regierung sah in der Strecke eine wichtige Verkehrsader für die Städte in den neuerworbenen Ostkantonen, und natürlich hatte man wohl auch nicht vergessen, dass die Vennbahn im Ersten Weltkrieg auch zu militärischen Zwecken eingesetzt wurde und Teil des strategischen Bahnnetzes war. Belgien verlangte und bekam schließlich die Oberhoheit über die gesamte Bahnstrecke zwischen Raeren und Kalterherberg, einschließlich aller zur Bewirtschaftung notwendiger Gebäude und Installationen. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Auch nach der Stillegung der Strecke und dem Abbau der Gleise ist die Trasse noch immer belgisches Hoheitsgebiet, ebenso das, was von Bahnhofsgebäuden, Wartehäuschen und ähnlichem noch übrig geblieben ist (weswegen der Grenzverlauf, wenn man ihn auf der Landkarte betrachtet, an einigen Stellen ein paar Beulen aufweist).

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Vennbahn zunehmend an Bedeutung: Von den Sechzigern an wurden mehr und mehr Abschnitte aufgegeben, 1989 kam die endgültige Stillegung der Bahn. Ein paar Jahre lang fuhr gelegentlich noch eine Museumsbahn über die Trasse, aber auch dieser Betrieb wurde Anfang des Jahrtausends wegen Unrentabilität aufgegeben, schließlich die Gleise abgebaut. Vor einigen Jahren gab es mal einen kleinen Sturm im Wasserglas, als ein belgischer Lokalpolitiker behauptete, Belgien könnte sich bereit erklären, das Bahngelände an Deutschland abzutreten, was aber von den zuständigen belgischen und deutschen Ministerien rasch dementiert wurde, bevor die Aufregung über den Gebietsverlust allzu große Kreise in der belgischen Öffentlichkeit ziehen konnte.

Vennbahn-Radweg

Die Bemerkungen des Lokalpolitikers brachten der Vennbahn immerhin wieder ein bisschen öffentliche Aufmerksamkeit. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde wohl auch beschlossen, die Trasse der Vennbahn zum Radweg umzugestalten und ins sogenannte RAVeL-Netz einzugliedern. Die Abkürzung steht für Réseau Autonome de Voies Lentes, ein Netzwerk von Wegen für langsame Fortbewegungsarten, das im wallonischen Teil Belgiens seit einigen Jahren aus alten Eisenbahnstrecken, aber auch Treidelpfaden und ehemaligen Markt- und Kirchwegen aufgebaut wird. (Eine offizielle Dokumentation dieses Netzwerks findet sich hier.)

In die Sache ist nun tatsächlich Bewegung gekommen. Es wird gebaut auf der Vennbahnstrecke und bis 2013 soll hier ein Radweg entstehen, der von Aachen bis ins luxemburgische Troisvierges führt – 130 km lang, wenig markante Steigungen und meist abseits von stark befahrenen Straßen. Und das auf einer ausgesprochen reizvollen Strecke: Es gibt viele aussichtsreiche Abschnitte (im Unterschied zu anderen Bahnstrecken wurde die Vennbahntrasse nur an wenigen stellen durch enge Tröge geführt), ausgedehnte Waldgebiete, sumpfige Vennlandschaften, schroffe Felsen und bemerkenswerte Infrastruktur wie zum Beispiel das spektakuläre Viadukt, das beim Kloster Reichenstein überquert wird. Abgesehen davon ist die Strecke auch einfach ein guter Verbindungsweg zu anderen Zielen, wie dem Hohen Venn, Monschau, oder Richtung Eupen und Malmedy.

Ein besonderer Reiz dieser Strecke liegt natürlich darin, dass man über einen langen Abschnitt quasi auf der Grenze entlang fährt. Als Kind habe ich oft stundenlang die Grenzverläufe auf Landkarten studiert, je bizarrer und mäandernder, um so interessanter, und ich habe mir dann oft ausgemalt, an diesen Grenzlinien entlang zu marschieren und ihre Spuren in der Landschaft zu suchen. Die Vennbahn ist nicht nur ein perfektes Terrain für Eisenbahn-Nostalgiker, sondern auch für kartographische Nerds, die sich für Ex- und Enklaven und ähnliche territoriale Koketterien begeistern können. Hier fährt man kilometerlange durch einen Teil Belgiens, dessen Breite von zwei erwachsenen Menschen mit ausgestreckten Armen ausgemessen kann und mit ein paar Schritten überwunden werden kann. Dass man sich in Belgien befindet, merkt man freilich kaum: Außer ein paar verbliebenen Kilometersteinen und den typischen viereckigen belgischen Hinweisschildern für Rad- und Fußwege gibt es so gut wie keine Indizien.

Vennbahn-Radweg

Rastplätze und Einkehrmöglichkeiten sind unmittelbar an der Strecke verständlicherweise noch kaum vorhanden, aber finden sich oft genug in der Nähe. In Roetgen wurde am ehemaligen Bahnhof ein kleiner Park angelegt. Daneben steht eine ambitioniert gestaltete Rasthütte, in der sich kurioserweise auch ein Reisebüro befindet, das die Touristen auf dem Vennbahn-Radweg mit Urlaubsangeboten aus der Türkei und Griechenland bewirbt. Auf der anderen Seite der Gleise gibt es schon eine obligatorische und sehr rustikale belgische Friterie.

Das ist im Moment (Ende April) der Status quo auf der Strecke zwischen Aachen und Kalterherberg:

- Auf Aachener Stadtgebiet wird die Strecke (die hier nicht belgisches Hoheitsgebiet war) schon seit längerem als Radweg genutzt: Er beginnt in der Nähe des Bahnhofs Rothe Erde und führt in großzügigen Schwüngen über die Ortsteile Brand und Kornelimünster bis nach Walheim.

- Von Walheim bis zur belgischen Grenze haben die Bauarbeiten zwar bereits begonnen, aber sie sind, bis auf kleinere Abschnitte, noch nicht weit gediehen. Bis Raeren muss man derzeit noch über Nebenstrecken ausweichen.

- Von der Grenze ab ist die Strecke dann durchgehend geteert bis nach Lammersdorf. Teilweise stehen zwar noch Absperrungen, aber Spaziergänger und Radfahrer sind bereits in großer Zahl auf der Trasse unterwegs. Ein problematischer Abschnitt befindet sich vor Roetgen, kurz nachdem die Strecke sozusagen erstmals das belgische Kernland verlässt und als dünner Schlauch durch deutsches Gelände führt: Hier muß die B258, die sogenannte “Himmelsleiter”, gequert werden, und zwar ausgerechnet an einer ausgesprochen schlecht einzusehenden und durchaus gefährlichen Stelle: Autos fahren hier oft mit großer Geschwindigkeit, sind aber, wenn sie von der Talseite kommen, erst im letzten Moment zu sehen. Irgendwann soll mal eine Unterführung gebaut werden, aber vorerst hat man von offizieller Seite die Überquerung einfach verboten und mit Bauzäunen erschwert. Eine Alternative ist blöderweise nicht ausgeschildert. Am besten folgt man dem Radweg, der die B258 begleitet, bergauf, um dann entweder an einer etwas übersichtlicheren Stelle die Straße zu queren oder bis nach Roetgen zu fahren, wo die Bundesstraße die alte Bahnlinie erneut kreuzt.

Vennbahn-Radweg, Himmelsleiter

- In der Ortsmitte von Lammerdorf endet die Teerstrecke. Es folgt ein kurzes Stück, auf dem noch der grobe Schotter des Gleisbetts liegt, aber hinter der Ortschaft ist der Weg bereits so weit bearbeitet, dass die Teerdecke wohl irgendwann in den nächsten Wochen aufgebracht werden kann. Auch hier sind trotz Absperrungen schon einige Spaziergänger und -radler unterwegs.

- Nördlich vom Monschauer Stadtteil Konzen kreuzt die Bahnstrecke erneut die B258 (die hier übrigens selbst eine Art Grenz-Kuriosum bildet, weil sie für ein kurzes Stück über belgisches Territorium führt, ohne Anschluss ans belgische Straßennetz zu haben). Von hier ab bis Kalterherberg ist die Strecke in unterschiedlichem Zustand, einige Abschnitte sind schon grob eingeschottert, anderswo sind zumindest die Spuren von Baufahrzeugen zu erkennen. Mountainbiker und Jogger sind schon unterwegs, aber das meiste ist offiziell noch nicht freigegeben und teilweise abgesperrt.

Unterhalb von Kalterherberg ist derzeit vorerst Schluß, und das Teilstück bis Sourbrodt wird vermutlich noch eine Weile unterbrochen bleiben: Naturschützer haben gegen den Bau des Radweges protestiert, weil er hier durch ein Brutgebiet seltener Vogelarten führen würde. Ab Sourbrodt soll die Strecke aber definitiv fortgeführt werden und würde dann westlich von Bütgenbach auf eine weitere, bereits voll ausgebaute RAVeL-Strecke treffen, die nach Malmedy, Stavelot und Trois-Ponts führt. Die weiter südlichen Abschnitte der Vennbahn kenne ich nur zum Teil, aber mit dem Rad sind sie schon in der Gegend um Sankt Vith befahrbar, außerdem entlang der deutsch-belgischen Grenze bei Burg-Reuland und bis zur luxemburgischen Grenze (da wurde allerdings im vergangenen Jahr noch gebaut).

Und hier eine mögliche Route (mit abschließendem Schlenker an der Olef-Talsperre vorbei und zum Bahnhof in Kall).

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Some people are on the pitch

Vielleicht hat Fußball doch einen Sinn: als Belebung der Landschaft? (Arno Schmidt)

Aus gegebenem Anlass: Die letzten 15 Minuten eines legendären WM-Halbfinales, die Nacht von Sevilla 1982, exakt nachgespielt als urbane Performance vom französischen Kollektiv Pied La Biche. Fussball als analytische Geometrie, in der verschiedene Methoden, Räume zu nutzen und zu füllen, miteinander konkurrieren, bzw. als Leinwand für die Konstruktion von Diagrammen urbaner Räume. Sehr sehenswert sind auch die anderen Videos des Kollektivs (über das ich sonst viel in Erfahrung bringen kann), etwa die zum anarchischen Spiel mit drei Mannschaften. —–>

Ruhrhalden-Tour III

Halde Hoheward

Die dritte (und vorerst letzte) Runde über die Halden der Ruhr fand parallel zu einer der “Flagschiff”- oder “Leuchturm”-Veranstaltungen des Kulturhauptstadtjahrs statt. Im Rahmen der Aktion SchachtZeichen stiegen eine Woche lang über ehemaligen Zechenstandorten kleine gelbe Heißluftballons auf. “Bis zu 350 Ballons” sollten es nach Auskunft der Veranstalter sein, die “bis zu 80 Meter hoch über den ehemaligen Schächten” im Wind schwebten und wie Stecknadelköpfe auf einer Landkarte “die Orte, an denen alles begann”, sichtbar machen sollten.

Eine Aktion mit großem logistischen Aufwand, die an vielen Orten zu einem fröhlichen Ehemaligen-Treffen geriet und mit Würstchenbuden und Biertischen zu kleinen Volksfesten umfunktioniert wurde, anderswo nutzten neuangesiedelte Firmen die Gelegenheit zu PR-Präsentationen. Die öffentliche Resonanz war ausgesprochen positiv. Und auch wenn das besondere Verhältnis der Ruhrpöttler zu ihrer Vergangenheit schon zum Klischee geworden ist, muss man doch immer wieder verblüfft registrieren, dass das Klischee wirklich Substanz hat: Ich kenne wenige Regionen, wo Neugier und Bereitschaft, sich mit der eigenen Vergangenheit und ihren Spuren auseinanderzusetzen, so umfassend und breitflächig gegeben sind wie hier an der Ruhr. Da spielt sicher viel verklärte Nostalgie eine Rolle, aber auch das Wissen, dass der beschworene Strukturwandel nicht so reibungs- und bruchlos vonstatten geht, wie die Politik das gerne möchte. —–>

Ruhrhalden-Tour II

Auf Halde Norddeutschland

Das Pfingstwetter war ein guter Anlass, die Tour über ausgewählte Ruhrhalden fortzusetzen. Diesmal ging die Fahrt in den westlichen, linksrheinischen Teil des Ruhrgebiets. Eine Region also, von der gerne vergessen wird, dass sie auch noch dazu gehört: Wenn man vom Revier spricht, meint man meistens Duisburg, Essen oder Dortmund, aber selten Kamp-Lintfort, Moers oder Neukirchen-Vluyn. Für viele meiner rheinischen Bekannten ist das hier schon der Niederrhein. Auch in der Region ist man mit der Zugehörigkeit zum Ruhrgebiet nicht durchweg glücklich: Im zuständigen Kreis Wesel gibt es seit Jahren einige Stimmen, die einen Ausstieg aus dem Regionalverband Ruhr befürworten. Der Versuch, das Anliegen politisch umzusetzen, scheiterte vor knapp zwei Jahren allerdings recht spektakulär, und ist damit erst mal für einige Zeit vom Tisch.

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Ruhrhalden-Tour I

Halde Haniel

Bergehalden sind die sichtbarsten Zeugnisse einer notgedrungen verschwenderischen Industrie. Fast die Hälfte des Materials, das im Steinkohleabbau zu Tage gefördert wird, ist taubes Gestein (Berge), und davon wiederum müssen drei Viertel oberirdisch aufgehäuft werden. Es hat relativ lange gedauert, bis man diesen landschaftlichen Eingriff als eben das begriffen hat: Eine Umgestaltung der Landschaft, die Struktur, Aussehen und Ökologie einer Region maßgeblich verändert. Erst spät begann man damit, Halden bewusst als Landschaftsbauwerke zu definieren, die auch nach ihrer industriellen Nutzung noch eine Funktion haben sollten, und schon für den Entstehungsprozess feste Gestaltungsregeln aufzustellen.

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Den Ruhrschnellweg entlang

Ruhrschnellweg in Essen

Die Karte unten ist Dokument eines kleinen Experiments. Sie zeigt den Verlauf einer Radtour entlang des Ruhrschnellwegs, das heißt: der A40 zwischen Duisburg-Häfen und Dortmund-West, und der B1 zwischen Dortmund und Unna-Massen. Eine Radtour entlang einer Autobahn? Es gibt zweifellos angenehmere Routen, sportliche oder entspannendere. Was könnte einen dazu bweegen, einen Tag lang einer siebzig Kilometer langen, lauten und abgasverpesteten Asphaltpiste zu folgen?

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Fetisch der Bobos

In der amerikanischen Presse wird zur Zeit ein wenig abgelästert über Probleme des Pariser Bike-Sharing-Programms Vélib’: Vandalismus und Diebstahl sorgten für erhebliche Einbussen, schreibt die New York Times, 80 Prozent der ca. 20.000 Mieträder seien bereits innerhalb eines Jahres defekt oder gestohlen gewesen, etwa 1.500 Räder müssten täglich repariert werden. Die Story wird in einigen US-Medien mit einer gewissen Süffisanz kommentiert – möglicherweise eine Art vorgezogener Backlash, weil auch in vielen US-Städten ähnliche Programme aufgelegt werden oder in Planung sind. —–>

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