gleiche höhe ist kein abseits

ein kleines museum des zufalls

Kategorie: Essen & Trinken (Seite 1 von 2)

Frauenlob

Frauenlob
Meine Mutter hatte ein ganzes Arsenal davon: Einweckgläser der Marke Frauenlob. Jedes Jahr wanderte die Familie ein- bis zweimal in die Beeren oder Kirschbäume, und das eingesammelte Ergebnis wurde dann eingekocht, bis das Arsenal gefüllt war.

Meine Mutter besaß auch einige echte Weck-Gläser, also von dem Hersteller, der dem Verfahren den Namen gegeben hat, aber die Frauenlob-Gläser fand ich schon damals interessant, sei’s wegen der Eleganz des Schriftzugs, sei’s wegen der poetisch angestaubten Biederkeit der Marke, die noch aus einer Zeit stammt, als man über Geschlechterrollen nicht zu diskutieren hatte. Weiterlesen

Season’s Sicherheitshinweis

Lassen Sie Ihr Gebäck nicht unbeaufsichtigt.

(Via.)

Gesund, gesund

Wer heute definitiv meinen Tag gemacht hat: Die beiden Müllmänner, die ihr Fahrzeug erst mit komplexen Manövern und viel Buhei aus dem Parkplatz vor Aldi und Rewe rausnavigierten, um es dann mitten auf der Venloer Strasse abzustellen, Nadelöhr hin, Nadelöhr her, und fröhlich plappernd in den Bio-Supermarkt zu marschieren. Drinnen dann erst mal zur Belustigung der Kundschaft die Vorzüge des Angebots diskutierten („Will’se ’ne Roggenbrot oder ’ne Dinkelbrot?“), sich dann für ein Zwiebelbaguette entschieden und fröhlich damit wedelnd („Gesund, gesund!“) zur Kasse marschierten.

Möge der Rest des Lebens ihres Lebens lang und knusprig sein wie eben dieses Baguette. Sela.

Eine Lebensaufgabe

Alkohol

Der man sich, wie der Fachmann weiß, mit Liebe und Hingabe widmen muss. Zum Wohl.

Windows On The World

Windows On The World

Zu den amüsantesten Schmuckstücken von Montecatini Terme gehört die Funicolare, die Standseilbahn, die die moderne Unterstadt und die Kurviertel mit dem alten Dorfkern verbindet. Unvergeßlich der Abend, als wir mit einer Gruppe fröhlicher Nonnen talwärts fuhren, die ihre Höhenangst mit dem lauten Singen von O sole mio bekämpften. Weiterlesen

Vieste

Vieste

In Köln wühlen sich grad drei dicke Bohrmaschinen namens Rosa, Tosca und Carmen durch die Südstadt. Hier auf dem Gargano sind es eher die Wildschweine, die sich durch den Boden wühlen: Der Regen ist zurück und das dauerhaft, die Wege sind aufgeweicht und vollgesogen wie Schwämme, und fast unpassierbar. Es bleibt einem nicht viel anderes übrig als sich an die Küstenorte am Rand zu halten,und ich fahre nach Vieste, wo man in der Altstadt einigermaßen trockenen Fußes flanieren kann.

Ich treffe mich mit dem Skipper Di Maso, der eine Bootstour zu den Grotten anbietet, wenn das Wetter gut ist. Sein Sohn navigiert dann das offene Boot kunstvoll hinein in die Höhlen, die das Meer unterhalb der Küstenstraße in den weißgelben Fels gefressen hat. Aber heute ist nichts drin, grad hat er eine Studiosus-Gruppe angerufen und abgesagt. Weil ich vom Dauerregen aufgeweicht bin, lädt er mich zum Mittagessen ein, und wir fahren in sein Restaurant, eine alte umgebaute und schön restaurierte Kaverne gegenüber dem Muschelmuseum (das eigentlich kein Museum ist, sondern eine mehr oder weniger lustige Verkaufsausstellung). Es gibt hausgemachte Pasta mit Sepia- und Tomatensugo, und dazu eine lebhafte Diskussion zwischen den anwesenden Bootsleuten und zwei Restauratoren, die aus der Toskana zugereist sind.

Natürlich geht es um Politik, um was sonst: Die Viester sind rechts, die Restauratoren links. Einer von den Bootsleuten bietet mir eine Erklärung, warum man es in Italien so lange mit Berlusconi ausgehalten hat: „Ich habe auch nur einmal geheiratet. Warum soll ich eine neue Frau suchen? So zahle ich nur für eine Frau, sonst müßte ich für zwei zahlen.“ – „Was hilft es mir, wenn eine neue Regierung kommt“, meint Di Maso. „Die aktuelle kenne ich, und wenn ich was will, weiß ich, zu wem ich gehen muß. Wenn ein neuer Kandidat kommt, muß ich vor dem erst wieder eine neue Verbeugung machen.“

Das hier ist eine Welt, wo man die Veränderung nicht besonders liebt. Das Meer ist abwechslungsreich genug, und man hat schon genug damit zu tun, jeden Tag auf den Wind, den Regen und die Sonne zu reagieren. Rom ist weit weg, von Vieste aus sowieso und noch mehr an einem Tag wie heute, wo die Nebelwolken die Stadt auf den Klippen wie ein gestrandetes Raumschiff aussehen lassen. Die Pasta ist aber natürlich ganz ausgezeichnet.

Vieste

Körper in Cafés

Café Osterspey
Es gibt nicht mehr viele Cafés wie das Osterspey, aber früher waren sie alle so: Vollgestopft mit urgemütlichen Möbeln, zentralheizungsresistenten Pflanzen und bunten Bildern, letztere gerne von lokalen Künstlern, die mit dem Herrn des Hauses befreundet waren. Alles weit ab von jedem Trendbewußtsein, sondern im Gegenteil gerade um zeitlose Wertbeständigkeit bemüht, eine überzuckerte Mischung aus bürgerlicher Wohlanständigkeit und weanerischem Savoir-Vivre, so viel Wiener Atmosphäre wie man eben mit einem einfachen Gründungskredit der Hausbank finanzieren kann. Die wenigen Cafés dieser Art, die übriggeblieben sind, findet man am ehesten in den äußeren Bezirken, da, wo die Stadt allmählich in die Provinz übergeht und nur noch der Verkehr etwas Metropolitanes hat. Das Osterspey liegt an der Luxemburger Straße, noch nicht ganz an der Stadtgrenze, aber schon an einer der Stellen, wo die Autofahrer noch mal extra auf Gas drücken, wenn sie grüne Welle haben, weil sie nach Hause wollen, oder rein in die City, jedenfalls nur nicht hier bleiben zwischen diesen Häusern, denen man das Flair der Mittelmäßigkeit fest in die Fassaden gemauert hat. Weiterlesen

Steadman in Apulien

Steadmans Apulien

Ich wiederhole mich ja ungern, aber auf das immer lesenswerte Giornale Nuovo kann ich nicht oft genug hinweisen. Zumal Mr. H diesmal gleich mehrere Themen berührt, die mir am Herzen liegen: Apulien, Rotwein und Ralph Steadman. Weiterlesen

Brot und Spiele

Hosteria

Außer Schwede bin ich auch gerne ab und zu mal Italiener. Zum Beispiel, wenn es darum geht, so einem hergelaufenen Investmentbanker wie diesem Jim O’Neill ein herzliches vaffanc… zuzurufen. O’Neill ist ein hohes Tier bei Goldman Sachs und war als solches bei der Hohen Tierschau in Davos. Dort hat er seine private Kröpfchen- und Töpfchen-Wertung der Nationen vorgeführt, und Italien kam bei ihm ganz schlecht weg: Außer cibo e calcio, Essen und Fußball, gebe es da nichts zu erwarten. Meint Herr O’Neill. Weiterlesen

Chance Meeting of an Absinthe Bottle and a Designer

Absinth mit Stapleton-DesignDas nenne ich Dekadenz auf wirklich stilvolle Art: Der Schweizer Absinthe Duplais gehört zu den feinsten, die es gibt, und nun kommt er mit einem Etikett, das Nurse With Wound-Kopf Stephen Stapleton entworfen hat. Aber man braucht natürlich die auf 100 Exemplare limitierte Box, die neben einer Flasche Duplais noch zwei schöne Gläschen und Löffelchen sowie eine CD-EP mit zwei exklusiven Stücken enthält. (Laut NWW-Website handelt es sich dabei um neue Versionen von „Rock’n’Roll Station“ und „Scapegoat“.) Gibt’s nur beim Absinthvertrieb Lion in Teningen. Bestellen, genießen und dann drei Mal hintereinander unfallfrei „The Self Sufficient Sexual Shoe“ aufsagen.

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