Fontana Campari

Beim Sortieren einiger alter Fotos stoße ich grade auf dieses hier: Die Fontana Campari in Le Piastre, einem kleinen Dorf nördlich von Pistoia. Werbung als Monument: Der Brunnen ist ein letztes Überbleibsel einer seltsamen Marketing-Kampagne, über die ich leider nicht allzuviel weiß, aber die paar Informationen, die ich bisher auftreiben konnte, sind interessant genug, um sie hier aufzuschreiben (und vielleicht kommt ja jemand vorbei, der das eine oder andere ergänzen kann). Mehr …
The London Nobody Knows

Ein Postskriptum zum Beitrag über den Sock Mob: Zufällig sah ich letzte Woche auch einen skurrilen, aber charmanten Dokumentarfilm von 1967, The London Nobody Knows. Der Film ist eine Tour durch ein London, das es nicht mehr gibt: Das London der späten Sechziger Jahre, als die Spuren des Krieges immer noch sichtbar und Viertel wie Camden und Spitalfields noch kaum gentryfiziert waren, die Aufräumarbeiten aber bereits begonnen hatten. Mehr …
London von unten

Der Guardian berichtete kürzlich von einem bemerkenswerten Projekt aus London: Eine Bürgerinitiative ermuntert Obdachlose dazu, sich als Stadtführer zu versuchen.
Our Unseen Tours bring you an entertaining and poignant walk with trained homeless guides, offering you a historical but also unexplored perspective of the city, as perceived through the lens of homelessness. Uniquely, the tours interweave the guides’ own stories and experiences, introducing a new social consciousness into commercial walking tours.
Die Mitglieder des Sock Mob, der Initiative hinter der Idee, besuchen schon seit einigen Jahren Obdachlose, bringen Essen und warme Socken mit und lassen sich dafür im Gegenzug Geschichten erzählen. Dass diese Geschichten auch eine andere Perspektive auf die Stadt bieten und im Kanon städtischer oral histories zu Gehör gebracht werden sollten, ist eine ebenso naheliegende wie sympathische Idee. Interessant genug, um Lidija Mavra, einer der Initiatorinnen des Projekts, ein paar Fragen zu stellen, die sie netterweise auch prompt beantwortet hat. Mehr …
Long Island
Die Emscherinsel ist eine Insel, die man als solche kaum wahrnimmt. Eigentlich handelt es sich nur um einen schmalen Streifen Land zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher. Beide Gewässer kreuzen sich bei Castrop-Rauxel und fließen von dort aus nahezu parallel Richtung Rhein, bis sich ihre Wege in Oberhausen, nahe der Neuen Mitte, trennen. Dazwischen liegt ein 34 Kilometer langes, an manchen Stellen aber nur wenige Meter breites Gebiet.
Diese künstliche Insel ist eine beiläufig entstandene Landschaft, eingezwängt zwischen einem industriell genutzten Verkehrsweg und einem zum Abwasserkanal degradierten Flüsschen. Lange war sie nur eine Art Niemandsland, oder besser: eine Aneinanderreihung von Niemandsländern in den Randgebieten der umliegenden Städte. Zwischenräume im wörtlichen Sinn. Wenn dieses Gebilde nun zur Insel erhoben, also eine räumliche Geschlossenheit vorgegeben wird, soll das modellhaft auch fürs Ruhrgebiet insgesamt stehen: Was durch strukturelle Notwendigkeiten entstand, wird nun gleichsam naturalisiert und als grüne Klammer über kommunale Grenzen hinweg angelegt. Das Bild von der Insel suggeriert außerdem ein wenig postindustrielle Idylle, ähnlich wie die Bergehalden nun als künstliches Mittelgebirge reklamiert werden. Mehr …
Der Rasenmähermann

If this is paradise
I wish I had a lawnmower- Talking Heads, (Nothing But) Flowers
Seit Montag mäht sich Ralf Witthaus durch den inneren Grüngürtel in Köln: Vom Rheinpark in Deutz ausgehend will er mit seinem Team in etwa 30 Tagen einen drei Meter breiten Weg durch die innenstädtischen Parkanlagen fräsen, um “auf diese Weise den Grüngürtel als eine zusammenhängende Form, als einen Park sichtbar und erfahrbar” zu machen. Es ist ein flüchtiges Kunstwerk, sozusagen ein sanft invasiver Eingriff in den urbanen Raum, denn nachgemäht wird nicht, und der Weg “wächst bereits während des Projektes in kürzester Zeit wieder zu”, so dass die ersten Abschnitte vermutlich schon wieder verschwunden sind, wenn Witthaus das Ende seiner Kölner Runde erreicht. Jedenfalls wenn das Wetter so wechselhaft bleibt wie im Moment. Mehr …
Duisburg

Vor wem, vor welchem Gedächtnis und vor welcher Zukunft, vor welcher und für welche Generation ist man verantwortlich, wenn man die Verantwortung für eine Stadt übernimmt?Meine Hypothese ist, dass die Antwort auf diese Frage uns zwingt, den Begriff der Verantwortung neu zu fassen. Jedes Projekt, das das Schicksal einer Stadt betrifft, d.h. das, was ihr Gedächtnis an ihre Gegenwart und Zukunft bindet, übersteigt aus Wesensgründen sowohl die Möglichkeit der Vollendung als auch die Dimension einer einzigen Generation, Nationalität oder Sprache. Die Zeit impliziert ein Versprechen, das hier für mehr als bloss eine Generation und mithin für mehr als eine Politik binden ist, ja das über die Politik als solche hinausgeht, in einer Dauer, deren Heterogenität und Diskontinuität, deren Nicht-Totalisierbarkeit als das Gesetz anerkannt werden müssen.
Jacques Derrida, Generationen einer Stadt
Ich hatte in Duisburg zu tun, und der Weg führte natürlich auch zur Karl-Lehr-Straße, dem Ort des Loveparade-Desasters. Seit dem Unglück ist die Straße zu einer Art negativer Pilgerstätte geworden, und auch gestern, an einem Montagabend, waren einige Dutzend Menschen unterwegs, um die zahlreichen Kerzen, Blumen, Zettel, Kreuze und sonstigen Paraphernalia zu betrachten, miteinander zu diskutieren oder wenigstens ein paar Schnappschüsse mit dem Handy zu machen. Mehr …
“I ride your river under the bridge”

Go Between Bridge. (Foto: Paul Guard, Quelle: Wikipedia.)
Die Go-Betweens gehörten in den späten Achtzigern, frühen Neunzigern zu meinen ganz großen Favoriten. Später, in den Jahren zwischen der Reunion und dem frühen Tod von Grant McLennan, habe ich nicht mehr sehr aufmerksam mitverfolgt, aber dass sie in dieser Phase immerhin ein wenig Mainstream-Anerkennung bekamen, fand ich nur gerecht.
Das Image der ewigen Underachiever, die eine bessere Welt bräuchten, um Stars werden zu können, sind sie allerdings nie so richtig losgeworden. Und so war ich doch sehr überrascht, zu lesen, dass es in Brisbane, der Heimatstadt von Forster und McLennan, inzwischen eine Brücke gibt, die den Namen der Band trägt. Und dass es sich dabei nicht nur um eine bedeutungslose Nebenbrücke in einem Randbezirk handelt, sondern um einen Flussübergang, der in der Verkehrsinfrastruktur eine wichtige Rolle spielen soll. Die Go Between Bridge ist – heisst es in der Wikipedia – die erste Innenstadtbrücke seit 40 Jahren, vierspurig ausgebaut und ausgelegt für etwa 12.000 Autos am Tag. Erfreulicherweise sieht sie sogar ganz ansprechend aus. Mehr …
Fliegen heißt siegen

Ein kurzer Hinweis auf einen sehenswerten Film: Heute abend läuft auf Arte die Dokumentation Fliegen heißt siegen – Die verdrängte Geschichte der Deutschen Lufthansa von Christoph Weber (dessen Black Starlets und Operation Wunderland ich hier auch schon erwähnt habe). Mehr …
Straßenfest auf der Autobahn

Gestern war der Tag des Still-Lebens Ruhrschnellweg, des Über-Events im Kulturhaupstadtjahr, und nach dem Strecken-Scouting im Frühjahr war es natürlich selbstverständlich, sich das aus der Nähe anzusehen. Normalerweise bin ich für solche Megaveranstaltungen nicht zu haben, aber in diesem Fall ging es immerhin um ein sozusagen offiziell ausgerufenes Usurpieren öffentlichen Raumes, und zwar nicht nur eines kleinen Fleckchens, sondern ganzer sechzig Kilometer davon. Also nichts wie hin. Mehr …
Kulturhauptstadt auf dem Ramsch

Es ist Juli, das Kulturhauptstadtjahr ist noch lange nicht um, aber die ersten Bücher zum Event landen schon auf dem Ramsch. In den Verwertungszyklen der Kulturindustrie hat Ruhr.2010 seine Schuldigkeit schon getan. Oder vielleicht auch nicht: Es sind jedenfalls noch reichlich Exemplare vorhanden, und wer weiß, wie viel im Lager noch auf Halde liegt. Direkt daneben auf dem Ramsch: Der Bildband mit den 360-Grad Panoramas vom UNESCO-Weltkulturerbe Mittelrhein, der muss auch raus, damit Platz für die Titel zur Bundesgartenschau 2011 ist.
Dass da auch einige Bände zum ehrgeizigen Masterplan Köln liegen, ist ein bisschen seltsam, der Preis ist jedenfalls nicht heruntergesetzt.Ob das einfach buchhändlerische Chuzpe ist (“pack die mal dazu, sonst gehen die ja nie weg”), subtile Kritik an der Inkonsequenz kölscher Stadtplanung oder der Halbwertszeit kulturindustrieller Marken, weiß ich nicht.
(Der abgebildete Reiseführer ist übrigens durchaus brauchbar, also greifen Sie ruhig zu.)
