˜ gleiche höhe ist kein abseits

Verborgene Mütter

Die langen Belichtungszeiten der ersten Kameras machten Porträtaufnahmen schwierig: Ein unkontrolliertes Zwinkern oder Zittern, ein Wackeln mit dem Kopf, und das Bild war womöglich im Eimer. Die Porträtierten wurden darum oft in unbequeme Gestelle gezwängt, um für die Dauer einer Aufnahme ruhig halten zu können. Bei kleinen Kindern half freilich auch das nicht immer, und darum nahm man gelegentlich die Mütter mit aufs Bild, damit sie die Kinder festhielten, versteckte sie dann aber unter Tüchern, Decken, Vorhängen oder im Zwielicht des Bildhintergrunds. Und das führte in manchen Fällen zu ausgesprochen bizarren, um nicht zu sagen gespenstischen Ergebnissen.

Verborgene Mutter

In dieser Flickr-Gruppe gibt es eine große Zahl solcher Photographien. Auf denen die Mütter dafür zu sorgen hatten, dass ihre Kinder die standesgemäßen, ordnungsgemäßen Posen einnahmen, während sie selbst im Objektiv des Photographen zum Verschwinden gebracht werden sollten. Was freilich nicht vollständig gelingen konnte, weswegen sie am Rand oder im Hintergrund der Bilder als körperlose, verstümmelte Gestalten sichtbar blieben.

(Nebenbei: Natürlich ist es gut möglich, dass bei manchen dieser Aufnahmen gar nicht die leibliche Mutter unter der Decke steckt, sondern Geschwister, ein Kindermädchen, eine Gouvernante, ein Assistent oder sonst wer, manchmal vielleicht sogar der Vater …)

Verborgene Mutter

Photos von

... mehr

Neu-Otzenrath/Spenrath

Alexander Trevi, Autor des Landschaftsarchitektur-Blogs Pruned, hat einen interessanten älteren Artikel wiedergepostet: Vor einigen Jahren haben Bauingenieure der Purdue University einen interessanten Vorschlag gemacht, wie Istanbul die Risiken eines katastrophen Erdbebens vermindern könnte. Nämlich einfach durch den Bau einer neuen Stadt. Eine “zweite Satellitenstadt wüärde den Einwohnern der alten Stadt sofort Unterkunft bieten können” und “damit die Auswirkungen eines solchen Ereignisses auf die nationale Wirtschaft dämpfen”, schreiben die Ingenieure.

Mit welcher Ernsthaftigkeit die Idee vorgestellt wurde, lässt sich aus der Pressemitteilung nicht erschliessen. Möglicherweise ging es nur darum, die selbstentwickelte Applikation zu präsentieren, mit der eine 3D-Simulation des neuen Istanbul erstellt wurde – seither haben jedenfalls weder die Universität noch türkische Stellen weiteres über das Konzept verlauten lassen. Dafür hat vor kurzem die japanische Regierung Überlegungen zu einer Backup-Version von Tokio vorgestellt. Der Gedanke, dass der Bau einer neuen Stadt weniger aufwändig sein könnte als die Modifikation einer bestehenden, ist freilich auch nicht neu: Man denke nur an Le Corbusiers unsentimentalen Vorschlag eines Totalabrisses und Komplettneubaus von Paris.

... mehr

Ich war vor einigen Wochen in Assisi und habe mir natürlich in der Basilica den berühmten Freskenzyklus von Giotto angesehen. Ich hatte besonderes Glück: Die Oberkirche wurde für ein Konzert vorbereitet, das im Fernsehen übertragen werden sollte, und Lichttechniker testeten gerade die Beleuchtung. Was mir die Gelegenheit gab, die Fresken in einer Helligkeit und Farbigkeit betrachten zu können, die man sonst wohl nur selten geboten bekommt. Aber ein kleines Detail, das erst vor kurzem entdeckt wurde, ist freilich auch mir entgangen: In einem der Bilder – nämlich dem, das den Tod des Heiligen darstellt – scheint sich der Teufel versteckt zu haben.

... mehr

Deutsches Reich, Bochum

Es gibt viele merkwürdige Straßennamen, aber dieser hier ist sicher besonders seltsam: Deutsches Reich. Die Straße mit dem großspurigen Namen liegt im Bochumer Stadtteil Werne. Viel her macht sie nicht: Es ist eine unscheinbare Wohnstraße, deren Beschaulichkeit allerdings durch das Rauschen des nahen Ruhrschnellwegs arg gestört wird.

Deutsches Reich, Bochum

Genau genommen handelt es sich weniger um einen Straßen- als um einen Siedlungsnamen. Die “Kolonie Deutsches Reich” entstand um 1871/72 als Wohnsiedlung für Bergarbeiter und Angestellte der Harpener Bergbau AG, einer der maßgeblichen Bergbaugesellschaften des Ruhrgebiets. Warum man der beschaulichen Siedlung ausgerechnet so einen hochtrabenden Namen gab, ist nicht überliefert, aber die Reichsgründung lag bei Baubeginn noch nicht lange zurück, nationale Namensgebungen waren mithin en vogue, auch wenn man in den meisten Fällen eher auf einzelne Regionen, historische Ereignisse oder auf prominente Gestalten zurückgriff als auf das Reich insgesamt. Möglicherweise war der Name auch als patriotischer Fingerzeig für die hier angesiedelten Arbeiter gedacht, von denen sicher einige aus den Ostgebieten des Reichs stammten und eher polnisch als deutsch sprachen.

... mehr

Gedruckte Klagen über den Tod von Mensch oder Subjekt kommen allemal zu spät.

- Friedrich Kittler (1943 – 2011).

... mehr

Trasse der Strategischen Bahn bei Ringen

Eine späte Ergänzung zum Eintrag über den Strategischen Bahndamm, einem der interessantesten verlorenen Orte hier in der Region. Es gibt außer dem beschriebenen Streckenabschnitt zwischen Rommerskirchen und Neuss, wo die Rückriem-Skulpturen aufgestellt wurden, noch einige weitere Spuren dieses nie vollendeten Bahnprojekts. Westlich von Köln zum Beispiel: Hier sollte die Strategische Bahn über Trassen geführt werden, die von der Bergheimer Kreisbahn genutzt wurden, einer der vielen regionalen Bahngesellschaften, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts an Rhein und Ruhr entstanden.

Trasse der Strategischen Bahn bei Horrem

Zwei Streckenabschnitte werden heute noch durch Bahnverkehr genutzt: Auf derm Abschnitt Rommerskirchen – Niederaußem fahren Güterzüge, auf dem Teilstück zwischen Bergheim und Horrem verkehrt heute die Erftbahn, ein Regionalzug der DB. Südwestlich von Horrem stößt man außerdem noch auf einen etwa 2,5 Kilometer langen und dicht bewachsenen Bahndamm und einige Brückenbauwerke: Hier sollte die Strategische Bahn die Strecke Köln – Aachen – Lüttich kreuzen und dann beim Dörfchen Mödrath auf die Trasse einer weiteren regionalen Bahngesellschaft stoßen, der Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn. Mödrath ist längst durch den Braunkohle-Tagebau abgebaggert worden, ebenso die Streckenabschnitte Niederaußem – Bergheim und Mödrath – Liblar.

Südlich von Liblar wiederum wurde die Strategische Bahn weitgehend durch die Trasse der A61 überbaut, und man stößt erst kurz hinter der rheinland-pfälzischen Landesgrenze wieder auf Spuren des Streckenverlaufs. Interessanterweise an einem Abschnitt der Autobahn, der ebenfalls aus strategischen Gründen besonders angelegt wurde: Am Autobahnkreuz Meckenheim verläuft die Straße für gut 2 Kilometer schnurgerade, wird weder von Brücken noch Hochspannungsleitungen überquert und der Mittelstreifen ist nicht begrünt, sondern nur betoniert. Im Kriegsfall sollte die Autobahn nämlich als Behelfsflugplatz dienen können, und zwar als Flugplatz von ganz besonderer Bedeutung: Ein paar Kilometer südlich befand sich der Regierungsbunker, beziehungsweise – wie es offiziell hieß – der “Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit (AdVB)”.

Auf diese Bunkeranlage komme ich gleich noch einmal zurück, aber zunächst soll es wieder um die Strategische Bahn gehen: Deren Spuren tauchen nämlich quasi dort wieder auf, wo die Landebahn endet. Und von hier aus kann man dem geplanten Streckenverlauf – beziehungsweise dem, was davon gebaut wurde und erhalten geblieben ist – wieder ganz gut folgen. Hier begann auch das anspruchsvollste Teilstück der Strategischen Bahn, weil sie von der Hochfläche der sogenannten “Grafschaft” in einem weiten Bogen ins 100 Meter tiefer gelegene Ahrtal geführt werden sollte. Um den Höhenunterschied zu bewältigen, mußten Bahndämme, Tröge, Brücken und Tunnel angelegt werden. Damit wurde auch um 1904 begonnen, aber wie beim Rommerskirchener Streckenabschnitt waren die Arbeiten bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht beendet und wurden nach Kriegsende nicht mehr aufgenommen. Von dem, was schon gebaut worden war, ist einiges stehen geblieben: Der Bau einer Bahnstrecke ist ein erheblicher Eingriff in die Landschaft, der nicht so schnell wieder verschwindet.

Trasse der Strategischen Bahn

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Spuren auch dieses Abschnitts der Strategischen Bahn zu einer kleinen Tour zu verbinden. Anders als die Route bei Rommerskirchen, die weitgehend eben verläuft, ist diese Tour mit knapp 26 Kilometern nur etwas für konditionsstarke Wanderer, zumal im Ahrtal auch ein paar Steigungen zu bewältigen sind. Die Strecke ist deshalb so lang, weil ich als Anfangs- und Endpunkte die nächstmöglichen Bahnhöfe gewählt habe. Das heißt allerdings, dass man vom Start der Tour in Meckenheim fast acht Kilometer zurücklegen muss, bevor man überhaupt auf die Strategische Bahn stößt. Wer einen besseren Ausgangspunkt kennt (z.B. eine Bushaltestelle in der Nähe der A61), kann das gerne in den Kommentaren vermerken. Die Tour kann auch mit einem geländegängigen Fahrrad absolviert werden, von einigen Schiebe- und Tragestrecken abgesehen kommt man ganz gut durch.

A61 bei Meckenheim

Startpunkt ist, wie gesagt, der Bahnhof in Meckenheim. Von dort aus geht es zunächst auf einem angenehmen Rad- und Fußweg entlang der Swist und, hinter der A565, über landwirtschaftliche Wege in Richtung A61, die südöstlich von Eckendorf erreicht wird. Die Autobahn wird über eine kleine Brücke überquert, ziemlich genau am südlichen Ende der Landebahn des Behelfsflugplatzes. Hier lässt sich nun auch die Spur der Strategischen Bahn aufnehmen, auch wenn von der Trasse nicht viel zu sehen ist: Ihr Verlauf entspricht dem kleinen landwirtschaftlichen Sträßchen, das von der Brücke aus entlang der Autobahn verläuft und nach einigen Metern in eine grasbewachsene Piste zwischen Büschen und Feldern übergeht. Die Autobahn schwenkt hier nach Osten ab, die Bahnstrecke verläuft jedoch schnurgerade weiter bis an den Ortsrand von Ringen. Kurz vor Ringen, etwa auf der Höhe eines Fisch- oder Klärteichs, müssen allerdings einige Felder und ein Schulgebäude umgangen werden.

Trasse der Strategischen Bahn bei Ringen

Die Strategische Bahn findet man bezeichnenderweise in der Bahnhofstraße wieder: Zunächst als schmalen Fußweg, der hinter einem Supermarkt hindurchführt, und dann, nach Überquerung einer Landstraße und einem kurzen Treppenaufstieg, als schattiger Bahndamm. Nach etwa 500 Metern ist die Strecke allerdings erneut unterbrochen, zum einen durch die Grube Lantershofen und dann durch das Gelände eines privaten Verkehrsübungsplatzes. Beide Areale muss man in einem großen Bogen umgehen, in dem man vom Ende des Bahndamms zunächst ein paar Schritte auf dem parallel verlaufenden landwirtschaftlichen Weg zurück geht, beim ersten Bauernhof links abbiegt und nach etwa 400 Metern wiederum links über eine wenig befahrene Piste auf den Wald zu hält. (Dieser Abzweig ist nicht ganz einfach zu finden.)

Strategische Bahn bei Lantershofen

Folgt man dieser gut sichtbaren, aber teilweise grasbewachsenen Piste durch den Wald, stößt man nach 500 Metern erneut auf die Bahnstrecke, direkt am südlichen Ende des Übungsplatzes und kurz bevor sich die Piste in einer Serpentine zu einer Wiese senkt. Für die nächsten 500 Meter folgt man einfach der gut erkennbaren Trasse, überquert fast unmerklich eine hohe Brücke und erreicht schließlich am Waldrand einen Punkt, wo die Bahnlinie im Trog weiterführen sollte. Dieser Trog ist mittlerweile dicht zugewuchert und unpassierbar, aber sowohl links als auch rechts davon verlaufen angenehme und leicht begehbare Wege. Hier beginnt der schönste Abschnitt der Route: Man hält sich zunächst auf der linken Seite des Trogs (da hat man die schönere Aussicht), passiert eine alte Brücke und wechselt dann wenig später auf die rechte Seite. Die Route im wesentlichen dem gut ausgeschilderten Rotweinwanderweg.

Strategische Bahn oberhalb von Ahrweiler

Schnell sind wir mitten in den Weinbergen. Die Bahnstrecke läuft immer parallel zu unserem Weg, meist erhöht auf einem Damm und oft mit Weinreben bepflanzt. Oberhalb von Ahrweiler passiert man eine kleine Kapelle mit einem Rastplatz, die beide direkt auf die Trasse gebaut wurden. Kurz dahinter das spektakulärste Überbleibsel der Bahn: Mächtige Pfeiler eines nie vollendeten Viadukts. Die Bahn sollte hier ein tief eingeschnittenes Tälchen überqueren und auf der gegenüberliegenden Seite im ersten von insgesamt fünf Tunneln verschwinden. Ohne Brücke sehen die massiven Pfeilerstümpfe reichlich bizarr aus, wie verlassene Wachtürme einer Felsenfestung aus einem Spionagethriller. Seit einigen Jahren werden sie als Kletterpark genutzt, und die Seilbrücken, die zwischen den Pfeilern gespannt sind, lassen sie noch kulissenhafter aussehen.

Brückenviadukt Ahrweiler

Wir gehen auf einem Treppenweg an einigen Pfeilerstümpfen entlang, halten uns dann rechts und erreichen eine Kreuzung, wo wir den links bergan führenden Weg nehmen. (Wer die Route hier unterbrechen möchte, kann aber auch talwärts zum Bahnhof von Ahrweiler gehen.) Kurz vor einem Aussichtspunkt mit Holzkreuz führt ein breiter Weg nach rechts: Hier erreicht man nach einigen Metern das Portal des Silberberg-Tunnels. Dort gibt es eine Aussichtsplattform, wo man sich die Brückenpfeiler von der anderen Seite begucken kann. Der Tunnel wurde im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker genutzt – örtliche Heimatkundler haben darum das Portal zu einer Gedenkstätte umgestaltet, in der die behelfsmäßige Einrichtung des Schutzraums nachgebaut wurde.

Regierungsbunker Ahrweiler

Von hier geht’s zurück zum Holzkreuz, und wieder weiter auf dem Rotweinwanderweg. Nach etwa anderthalb Kilometern erreicht man den Eingangsbereich des zweiten spektakulären Monuments auf unserer Route: Einen der Eingänge des ehemaligen Regierungsbunkers. Beim Bau dieser Anlage nutzte man die Vorarbeiten für die Strategische Bahn, indem einige Tunnel durch zusätzliche Stollen erweitert und zu einem unterirdischen Komplex ausgebaut wurden, der 3.000 Regierungsmitglieder und -mitarbeiter im Ernstfall unterbringen sollte. Die Lage des Unterschlupfs im schmalen und zerklüfteten Ahrtal hat tatsächlich etwas von der oben erwähnten Felsenfestung, aber das Bauwerk hätte einem atomaren Angriff kaum standgehalten: Die Sprengkraft einer Fünf-Megatonnen-Bombe hätte ausgereicht, “den Weinberg samt Bunker zu Staub zerblasen [und] alle Beteiligten als nuklearen Fallout über den Rhein”, zu verstreuen, spottet einestages.de.

Schon während des Zweiten Weltkriegs wurden die Tunnel übrigens für militärische Zwecke genutzt, nämlich als unterirdische Rüstungsfabriken, in denen Zwangsarbeiter unter anderem Einzelteile für die V2-Raketen zusammenschrauben mussten. Nach dem Ende des Kalten Krieges fand sich für den Bunker kein Verwendungszweck mehr, und auch kein Investor, der mit der unterirdischen Immobilie etwas hätte anfangen können. Die Anlagen wurden leergeräumt, zurückgebaut und größtenteils abgerissen. Ein kleiner Teil der Anlage wurde mittlerweile als Museum zugänglich gemacht und lohnt auf jeden Fall einen Besuch, und sei es nur, um sich ob der klaustrophobischen Enge und des morbiden 60er-Jahre-Chics der Bunkereinrichtungen dezent zu gruseln. (Nur am Wochenende geöffnet.)

Regierungsbunker Marienthal

Vom Regierungsbunker aus könnte man weiter auf dem Rotweinwanderweg bleiben, aber die Route finde ich hier etwas langweilig. Ein schönerer Weg führt über ein kleines Sträßchen, dass sich ein paar Schritte hinter dem Bunker bergauf windet und bald in einen breiten Waldweg übergeht. Immer dem breiten Weg folgen, bis man wieder ins Freie kommt und unterhalb eines Weinhangs einen Wanderparkplatz mit dem hübschen Namen “Bunte Kuh” erreicht. Von dort geht es auf einem kleinen Sträßchen nach Westen bis zum Försterhof, einem Ausflugslokal, wo man wiederum dem Rotweinwanderweg folgt, der hier rechts abbiegt. Der Weg führt abwechselnd durch Wald und Weinberge, mit herrlichen Ausblicken ins Ahrtal. Nach etwa 3 Kilometern erreicht man oberhalb des Klosters Marienthal zwei weitere, mittlerweile verschweißte Eingangsbauwerke des Bunkerkomplexes, der hier durch einen Taleinschnitt in zwei Einheiten getrennt wurde. Gut auf die Beschilderung des Rotweinwanderweges achten, der direkt am gegenüberliegenden Hang wieder in die Weinberge führt.

Sonderberg-Tunnel

Das westlichste Eingangsportal des Bunkers findet sich schließlich nach weiteren zwei Kilometern schöner Strecke, die sich wie die Tribüne eines Amphitheaters um den Ort Dernau legt. Hier gibt es, auf einer kleinen Brücke, die ganz offensichtlich für die Bahnstrecke gebaut wurde, auch wieder einen kleinen Rastplatz. Der Rotweinwanderweg führt hier knapp oberhalb von Dernau auf einem kleinen Asphaltsträßchen entlang. Man passiert den kurzen Sonderberg-Tunnel, der heute offenbar als Lagerhalle genutzt wird und unterquert mit dem Rotweinwanderweg die Kreisstraße 35, hält sich direkt hinter der Unterführung aber sofort links und folgt dem Weg, der parallel zur Straße verläuft.

Strategischer Bahndamm bei Rech

Von der Strategischen Bahn ist hier nicht mehr viel zu sehen: Sie wäre hier quer durch das Wohngebiet unterhalb der Wanderroute verlaufen und weiter dort, wo der Steilhang hinter gemauerten Stützbauten dicht an den Wanderweg stößt. Beim Örtchen Rech sollte die Bahn außerdem wieder in einem Tunnel durch den Berg stoßen. Davon ist aber nicht mehr viel zu sehen, bis auf ein paar Befestigungsbauten hinter Rech, in einem (privaten) Weinberg, direkt neben dem Fuß- und Radweg, der vom Haltepunkt der Ahrtalbahn an den Gleisen entlang Richtung Mayschoß führt. Wo die B267 den Radweg kreuzt, sollte die Strategische Bahn schließlich auf die Ahrstrecke treffen, um dann im weiteren Verlauf via Trier Richtung Metz zu führen.

An dieser Stelle ließe sich auch die Tour entlang der Strategischen Bahn beenden: Bis zum Bahnhof in Mayschoß sind es nur noch ein paar hundert Meter.

... mehr

(in no particular order)

When the Real breaks through, everything seems like a film
@kpunk99

... mehr

Wolperath

Aus der Reihe “Vergessene Pilgerorte der Popmusik”: Ein Blick auf Conny Planks Studio im Dörfchen Wolperath, mitten im Bergischen Land, etwa 40 Kilometer südöstlich von Köln.

Conny Planks Studio

Besser gesagt: Auf das, was vom Studio noch übrig ist. Es befand sich in einem größeren Hofkomplex, von dem nur noch diese beiden Fachwerkhäuser stehen. Der Trakt, in dem das Studio war – der ehemalige Schweinestall, wie Wikipedia weiß – steht nicht mehr. Auf dem Areal werden derzeit Einfamilienhäuser gebaut. Der Bauherr schwärmt vom “Westgrundstück mit Fernblick” in “historischer Hoflage”, von “besten Lichtverhältnissen” und der “jungen Nachbarschaft”. Vom prominenten Vorbesitzer erfährt man nichts, aber vermutlich würde der Name auch nur den wenigsten der jungen Familien, die vom Neubauprojekt angelockt werden sollen, noch etwas sagen.

Conny Planks Studio

Dabei wäre das ja wirklich ein interessantes Verkaufsargument: “Da wo sie jetzt stehen, wollte David Bowie unbedingt auch mal hin.” Bowie kam tatsächlich auf eine Tasse Tee in Wolperath vorbei, weil er unbedingt diesen Typen kennenlernen wollte, der alle diese geilen Krautrock-Bands produzierte, der für Leute wie Kraftwerk, Neu!, Cluster, Guru Guru dieses phänomenale neue Klangverständnis definiert hatte, an das Bowie in Berlin gerade anzudocken versuchte. Aus einer Zusammenarbeit wurde dann zwar nichts, weil Bowie und Plank angeblich doch nicht so gut miteinander klar kamen. Aber kurz darauf machte Bowie Heroes, und das Titelstück ist ein unverhohlenes Tribut an mindestens eine Platte, die in Wolperath entstanden war, nämlich das dritte Neu!-Album, Neu! ’75 mit dem Song “Hero”.

“Heroes” ist auch ein passender Soundtrack für eine Fahrt nach Wolperath: Hinter Siegburg schwingt sich die Straße rasch auf die Höhe, die Landschaft öffnet sich weit und der lässige Schwung der Kurven, Steigungen und Gefälle treibt einen fast automatisch voran. Planks Studio liegt an einem der höchsten Punkte der Strecke, und den Weitblick, von dem der Bauherr schwärmt, hat man von hier aus tatsächlich (wenn auch sicher nicht von jedem der neuen Häuser aus, das Areal ist doch sehr zerstückelt worden).

Wolperath

Brian Eno, Co-Autor von “Heroes”, war auch einer der Pilger, die sich wegen Plank in die bergische Provinz aufmachten, aber anders als Bowie kam er öfter vorbei, machte Aufnahmen für einige Solo-LPs, produzierte das Debüt-Album von Devo und arbeitete mit den Cluster-Musikern Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius zusammen. (Die beiden LPs Cluster & Eno und After The Heat sind für mich allerdings eher ein Beleg dafür, dass eine Summe nicht immer größer sein muss als die einzelnen Teile.)

Zu den Stammgästen gehörten auch DAF, die in Wolperath alle maßgeblichen LPs aufnahmen: Alles ist gut, Gold und Liebe und Für immer. Plank war, wie man in Verschwende Deine Jugend nachlesen kann, von der minimalistischen Konsequenz des DAF-Sounds ganz fasziniert war. Eine weitere wichtige NDW-Platte, die in Wolperath entstand (allerdings ohne direkte Beteiligung Planks), war die Stahlwerkssinfonie der Krupps, aufgenommen während eines Wochenendes, das eigentlich von Ultravox gebucht war, die wollten sich in der Zeit aber lieber eine Oldtimer-Schau angucken (was auch in Verschwende Deine Jugend nachzulesen ist).

Conny Planks Studio

Ultravox waren ebenfalls Dauergäste in Planks Studio, ebenso Ideal, Killing Joke und die Tourists (Vorgängerband der Eurythmics, deren Debüt Plank auch produzierte), außerdem arbeitete er mit Bands wie A Flock of Seagulls, Les Rita Mitsouko und, nun ja, Heinz-Rudolf Kunze. An der Aufzählung dieser Namen kann man allerdings auch sehen, dass Plank in der New Wave- und NDW-Ära nicht mehr unbedingt mit Leuten zusammenarbeitete, die neue Klangwelten erobern, sondern eher ihre Musik mit einem zum Markenzeichen geronnenen Sound veredeln wollten. Bands wie Ideal galten dem harten Kern der NDW-Pioniere ja eher als angestaubte Rocker, die auch noch so ein bisschen in der New-Wave-Ästhetik plantschten.

Seinen Ruf als Phil Spector des Krautrock hatte Plank sich erworben, bevor er nach Wolperath ging: Stilbildende Alben wie die ersten Platten von Kraftwerk, Neu! oder Cluster entstanden in einem ganz anderen Ambiente, im Rhenus-Studio in Köln-Godorf, zwischen den großen Raffinerien am Rheinufer (und nicht nicht weit von der A555, die angeblich Kraftwerks “Autobahn” inspirierte). Dort wurden auch Kompositionen von Stockhausen, Zimmermann und Kagel aufgenommen, Free Jazz von Peter Brötzmann und Alex von Schlippenbach, oder kommunitäres Gegniedel von Sweet Smoke und der legendären Bröselmaschine. (Nicht zu vergessen das seltsame Debüt-Album einer ansonsten nicht weiter erwähnenswerten Hard-Rock-Band namens Scorpions.) Kraftwerks Ralf Hütter schwärmte irgendwo mal von den Industriegeräuschen, die man hörte, wenn man aus dem Studio kam, vom lauten Fauchen der Flammen, die in regelmäßigen Abständen aus den Schornsteinen schossen. Diese Musik kann man heute noch hören, wenn man auf der Straße nach Wesseling durch das Industriegelände fährt. An den Sound von Wolperath erinnert dagegen so gut wie nichts mehr.

Wesseling/Godorf

Die verschiedenen Revivals dieses Sounds hat Plank leider nicht mehr miterlebt: Er starb bereits 1987. Seine Lebensgefährtin Christa Fast betrieb das Studio noch einige Jahre weiter und gab erst kurz vor ihrem Tod 2006 auf. Zwei Jahre später gab es einen kurzlebigen Versuch, das Studio zu reaktivieren, aber ein großer Teil des Inventars war bereits verkauft und der Komplex schon zu baufällig. Kurz darauf, 2009 oder 2010, begann der Abriss.

... mehr

Böhm Chapel

Von einer Kultstätte auf grüner Wiese zur Kulturstätte im Neubaugebiet: Die Ursulakirche in Hürth-Kalscheuren ist eine von vielen Kirchen im Rheinland, die in den vergangenen Jahren geschlossen wurden. Gebaut wurde sie von 1954-56 nach Plänen von Gottfried Böhm (und Vorentwürfen seines Vaters Dominikus), und der weiße Bau mit dem schlanken Glockenturm und den sechs Konchen gehört sicher zu den elegantesten Kirchenbauten der Böhm-Dynastie. Er steht in einem Umfeld, in dem ansonsten wenig Elegantes zu sehen ist: Kalscheuren ist eigentlich wenig mehr als ein ausgedehntes Gewerbegebiet mit etwas dazwischengewürfelter Wohnbebauung. Früher saß hier vor allem verarbeitendes Gewerbe: Übrig sind davon noch das 1895 gegründete Rußwerk, das sich allerdings schon auf Kölner Gemeindegebiet befindet und heute zum Evonik-Konzern gehört, und die Malzfabrik von 1902, einer der wichtigsten Zuliefererbetriebe für die regionale Brauindustrie. Ansonsten dominieren heute vor allem Speditions- und Logistikfirmen, die vom nahegelegenen Güterbahnhof Eifeltor profitieren, und Unternehmen der Medienbranche, wie die MMC Studios direkt neben der Kirche. Das Logo der Studios ist ein springendes Einhorn: Es thront auf einem hohen Mast, der – als Wahrzeichen einer moderneren und effizienteren Illusionsmaschinerie – den Glockenturm von St. Ursula deutlich überragt.

... mehr

Atomino

Ein Bild aus Zeiten, als die Atomenergie noch nützlich war. Allenfalls ein bisschen ungebärdig und nicht immer leicht zu kontrollieren, aber selbst dann noch sympathisch, wenn sie das Wasser im Meer zum Kochen bringt. Dann hat man immerhin reichlich Fischfilet für die Strandparty mit Freunden (und hat die „Titanic“ nicht kürzlich sowieso geraten, dass man Sushi fürs Erste besser abkocht?).

... mehr